Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Stuttgart
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 401 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 401 Paul Meyer, war von dem „Beobachter" und der „Tagwacht" nachgesagt worden, er habe einer armen Familie und der erwachsenen Tochter derselben gegenüber in seltsamster Weise den „Wohlthäter" zu spielen versucht. Den Redaktionen der beiden Blätter ging kürzlich die überraschende Mittheilung zu, daß die von dem Beleidigten deshalb gegen sie angestrengte Klage wieder zurückgenommen worden sei. Die Gründe, welche die „Schwäbische Reform" für diesen Rückzug ihres „vorsichtigen" Gesinnungsgenoffen angiebt, werden Niemanden überzeugen; hoffentlich hat Herr Meyer noch andere. Selbst antisemirische Blätter bezeichnen es deshalb als erfreulich, daß nun der hiesige „Beobachter" den Redakteur der „Schwäbischen Reform", Bösenberg, verklagte, weil dieser dem Landtagsabgeordneten Schmidt, welchen er für den Verfasser des gegen Meyer gerichteten Artikels hielt, „verleumderische Beleidigung" vorgeworfen hat. Durch diese Klage wird hoffentlich dem antisemitischen Redakteur Bösenberg Gelegenheit gegeben, die Angelegenheit Meyer aufzuklären. Neuerdings behauptete die „Schwäb. Reform", daß der jüdische Referendar Karl Eßlinger der Urheber der Beschuldigungen gegen Meyer sei, die dieser selbst an Gerichtsstelle anscheinend nicht zu widerlegen wagt. Ffl Karlsruhe, 10. Juli. Der hiesige antisemitische Redakteur Th. Reuther soll, nach einem Berichte der antisemitischen „Mittelbadischen Ztg.", bei einer Versammlung in ernster Gefahr geschwebt haben. Das genannte Blatt berichtete: „Auf der Fahrt nach Linx wurde mit Steinen nach ihm geworfen. In Linx selbst kam es zu den stürmischsten Szenen. Die Gensdarmerie sah sich genöthigt, mit aufgepflanztem Seitengewehr vorzugehen! Kaum hatte Reuther im Gasthaus „Zum Ochsen" sich niedergelassen, da kamen aus Kehl und Bodersweiler Männer und Burschen, welche die Versammlung zu vereiteln suchten. Herr Reuther wurde geschlagen und getreten auf die roheste Art. Gott sei Dank, daß sogleich die Gensdarmerie zur Stelle war, um sich des bluttriefenden Mannes anzunehmen. Die Energie des Linxer Bürgermeisters bewirkte die sofortige Räumung des Lokals. Drei der Unholde, die sich besonders auszeichneten, wurden verhaftet. Blutige Köpfe gab es im Laufe des Kampfes eine Menge. Es war ein. Tumult, ein Radau, wie ihn die ältesten Leute in Linx nie gesehen. Sehr auffällig war das sofortige Verschwinden der Juden; sie kamen zum Theil mit dem Schrecken „davon", während einige nebst Helfershelfern gehörig geklopft wurden.. Nach Säuberung des Orts begann in Linx die Versammlung, da Herr Reuther noch zum Sprechen im Stande war. Die Versammlung wurde um 10 Uhr aufgelöst." —