Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1896)
- Article
- Nürnberg
- Date
- 1896-07-01
- Page
- 399 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316611-2316619-2318875--01366-2319001- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 399 in Bayern stehen im umgekehrten Verhältrliß zu dem Geschrei, das einige AnLisemiteriche vornehmlich in der Haupt- und Residenzstadt vollführen. Bei den letzten Neichstagswahlen brachten sie es trotz sehr geschäftiger Agitation im ganzen Lande nicht einmal auf 1500 Stimmen; bei den Geme'mdewahlen im Jahre 1893 wurden in München wohlgezählte — 21 antisemitische Stimmzettel abgegeben. Somit läge nicht die geringste Veranlassung vor, der antisemitischen „Bewegung" in Bayern irgend eine ernsthafte Beachtung zu gönnen, wenn nicht die Entwicklung der Dinge hier typisch wäre für die Tendenz der Bewegung überhaupt und die Zerfahrenheit der antisemitischen Parteien." In dem Bericht wird im Anschluß an obige Sätze eine Uebersicht der Geschichte dieser bayerischen Partei und eine Charakteristik der bisherigen Führer derselben, Geisler, Ludwig Wengg und August Büchner gegeben, von dem Letzteren aber gesagt, „er habe sich neuerdings wieder einmal umgemausert und dem Gedanken Ausdruck gegeben: „Mir ist der galizischste Jude lieber als tausend Antisemiten." — Wengg ist übrigens vor einigen Wochen, als er aus dem Gefängniß zu Stadelheim nach Verbüßung dreimonatlicher Gefängnißstrafe entlassen wurde, am Thore des Gefängnisses von Gesinnungsgenossen empfangen und von einem mit weißen Nelken und der schwarz-roth-goldenen Tricolore geschmückten Zweispänner in seine Wohnung gebracht worden. Am andern Abend veranstaltete der „Volksbund" in München einen Festcommers. — Der frühere Rendamtsbeibote B r ä g war erwischt worden, als er an dem Hause eines hiesigen Israeliten mit einem Stempel die Worte aufdrückte: „Hier wohnt ein Jud e." Dann entstand der Verdacht, daß Bräg auch der Urheber der antisemitischen Bemerkungen sei, welche Plakaten an den hiesigen Plakatsäulen mittelst Stempels aufgedrückt waren. Ueber die bezügliche Schöffengerichts-Verhandlung berichtete der „Fränkische Kurier": „ES konnte dem Bräg bezüglich der hiesigen Plakatsäulen die Schuld nicht nachgewiesen werden, da durch seinen Entlastungszeugen (den b e - kannten antisemitischen Agitator und früheren hiesigen Gastwirth Wiesner) eidlich bekundet wurde, daß Bräg ihm s. Zt. mitgetheilt, er habe zwar die Stempel mit den antisemitischen Inschriften hier anfertigen lassen, dieselben aber an einen Fremden, den er in der Wiesner'schen Wirthschaft traf, verkauft. (Dieser bekannte „große Unbekannte" konnte nicht ermittelt werden.) Dagegen wurde Bräg nachgewiesen, daß er auch in Lindau, wohin er von hier gezogen war, die Plakate mit antisemitischen Bemerkungen durch einen ausgeprägten Stempel beschmiert hatte. Bräg wurde daher wegen Sachbeschädigung (in Lindau begangen) zu einer Woche Ge-