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Im deutschen Reich · 1896-06-01 · Heft 6 (Juni 1896) · p. 337

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 6 (Juni 1896)
Article
S. Z., hier
Date
1896-06-01
Page
337 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Briefkasten der Redaktion. 337 und mit Begleitung eines kleinen Orchesters aus einem antisemitischen Gesangbuch Gassenhauer sang, die mit den Aquarellbildern in innigster Harmonie standen. Ich mußte mir sagen, daß diese Bilder und diese Verse nicht ohne Geschick berechnet seien und auf gewisse Leute ihre Wirkung nicht verfehlen. Wer wollte von dem, der den Teufel an die Wand malen will, feine Malerei verlangen? Dazu wird das tauglichste Instrument wohl der Kaminkehrerbesen bleiben und dieses malerische Instrument wird hier mit Meisterschaft gehandhabt. In den Antisemiten steckt ein gut Theil Jesuitismus, denn der Zoten- und Gassenhauer-Kultus als Götzenopferspeise beweist, daß man in richtiger Würdigung seiner bewährten Wirksamkeit dem jesuitischen Grundsatz huldigt: Der Zweck heiligt die Mittel!' Nachdem ich in dieser Gesellschaft ein Glas Bier getrunken hatte, verließ ich das deutsche „Wirthshaus" — welches, nebenbei gesagt, durchaus nicht das einzige dieser Art in Berlin ist, — mit Reflexionen darüber, wie es wohl möglich sei, daß in der Stadt der Intelligenz und frommen Sitte ein derartiger Skandal direkt unter den Augen der Negierung und der Polizei unbehelligt geduldet werden kann!!! Welch ein betrübendes Schauspiel ist es doch, wenn zwischen Mensch und Mensch, je nach seinem Glaubensbekenntnisse (!!), nach seiner Abstammung oder seinem Stande, Unterscheidungsmerkmale ausgestellt werden, wenn Fanatiker und Abenteurer aus der Geistesarmuth (!!!) eines von der Lebenssorge niedergedrückten Volkes einen neuen Kultus bilden, dessen wesentlicher Bestandtheil die Anspuck-Ceremonie (!!) ist, und es ihnen glückt, aus Petroleum (!!) und Weihwasser (!!) einen Trank zu brauen, an dem die gedankenlose Masse Geschmack findet (!!!) —" M. L., Breslau. Der Name genügte den antisemitischen Blättern, um den Verbrecher ohne Weiteres zum Juden zu stempeln, trotzdem eine ganze Reihe antisemitischer Führer Namen trägt, die weit mehr auf jüdische Abkunft hindeuten. Bereits in den ersten Mailagen brachte die antisemitische „Staatsbürger-Zeitung" die Notiz aus New-Vork: Der dieser Tage wegen Mordes im Gefängniß von Sing-Sing Hingerichtete Carl Feigenbaum (!!) soll kurz vor seinem Tode erklärt haben, daß er der berüchtigte „Jack der Aufschlitzer" sei. Feigenbaumes Opfer in New-Pork waren gleichfalls nur gefallene Mädchen." Was Herr Redakteur vr. Bachler (!!!) vorsichtiger Weise nur durch zwei Ausrufungszeichen andeutete, das gab der etwas plumpere „Badische Volksbote" deutlicher kund, indem er wenige Tage darauf die von Ihnen als auffällig bezeichnete Notiz mit der Vorgesetzten Spitzmarke: „Jack der Aufschlitzer ein Jude?" ab-

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