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Im deutschen Reich · 1896-06-01 · Heft 6 (Juni 1896) · p. 332

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 6 (Juni 1896)
Article
Darmstadt [Nachricht]
Date
1896-06-01
Page
332 (sequence 1)
Language
German
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IRI
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332 )m deutschen Reich. O Darmstadt, 10. Juni. Der Schriftführer des antisemitischen Vereins zu Trebur, Mees, wurde wegen Urkundenfälschung und ähnlicher Delikte zu 15 Monaten Zuchthaus und 3 Jahren Ehrverlust verurtheilt. Wien, 3. Juni. Das Schwurgericht verurtheilte am 29. Mai nach mehrtägiger Verhandlung den Bankier Niedling wegen Betruges und Veruntreuung zu zwei Jahren schweren Kerkers und 26000 Gulden Ersatz. Kurz vor seiner Verhaftung hatte Niedling unter Betonung seiner arischen Abstammung in Cirkularen vor dem unlauteren Gebühren in den jüdischen Bankkontoren gewarnt. (S. „Antisemiten- Galerie, Heft 5, Seite 256.) # Brünn, 3. Juni. Die hier abgehaltene Hauptverhandlung des Deutschen Schulvereins in Oesterreich, in der 788 Theilnehmer 1467 Stimmen vertraten, nahm einen programmmäßigen Verlauf, bis der von antisemitischer Seite eingebrachte Antrag auf Statutenänderung stürmische Erregung hervorrief. Offenbar war der Antrag, die Rechte der Ortsgruppen in Bezug auf die Aufnahme von Mitgliedern zu beschränken, gegen die Aufnahme von Juden gerichtet. Professor Schwarz-Ostrau bekämpfte den Antrag und erklärte, daß die Juden sich um den Schulverein große Verdienste erworben hätten. Di*. Steinwender sprach heftig für den Ausschluß der Juden. Der Antrag wurde aber mit 305 gegen 674 Stimmen verworfen. Dr. Heinrich Kaniak aus Mährisch-Prerau erklärte, daß die Deutsch-Nationalen mit ihrem Anträge immer wieder kommen, aber der Schulvereinssache treu bleiben würden, auch wenn sie jetzt noch nicht zum Ziele gelangt wären. — Von dem Landgericht zu Brünn ist das Dienstmädchen Philomena Waclaweck, welche zwei anderen Dienstmädchen vorgelogen hatte, daß der Kaufmann Moritz Atoll er in M.-Trübau ihr „zu rituellen Zwecken" Blut abgezapft habe, wegen Verleumdung zu drei Monaten, durch Fasten verschärften Kerkers verurtheilt worden. Gegen die beiden anderen Mädchen, Sophie Nemluvil und Emilie Schwab, wird die von Moritz Möller gegen dieselben beim Mährisch - Trübauer Bezirksgericht anhängige Ehrenbeleidigungsklage weitergeführt. Graz. 10. Juni. Die gegen den antisemitschen Gemeinderath Feichringer erhobene Anklage des Betruges (siehe Antisemiten- Galerie, Heft 5 uns. Ztschr., S. 246) wurde noch auf drei andere hiesige antisemitische Gemeinderärhe ausgedehnt. Unter diesen befindet sich ein Advokat, welcher Obmann des hiesigen antisemitischen Preßvereins ist.

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