Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1896)
- Article
- Köthen
- Date
- 1896-06-01
- Page
- 331 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 331 Landesvater innige Dankbarkeit dafür, daß er während seiner ganzen NegierungSzeit darüber wacht, daß der Friede unter den Bekennern der verschiedenen Religionen nicht gestört werde. Diesem Dankgefühl lieh die bei dem in der Synagoge veranstalteten Festgottesdienste von Herrn Rabbiner vr.Seligkowitz gehaltene Predigt entsprechenden Ausdruck. O Dresden, 10. Juni. Die zweite Strafkammer des hiefigen Königl. Landgerichts verhandelte als Berufungsinstanz sechs Stunden hindurch über die Privatklage des Getreidehändlers Baruch Heller gegen den bekannten Bilderbogenfabrikanten Woldemar Glöß und den Redakteur der antisemitischen „Deutschen Wacht" Hugo W elcker. Wie seiner Zeit in dieser Zeitschrift mitgetheilt wurde, hatte das Schöffengericht gegen Glöß auf drei Monate Gefängniß, gegen Welcker auf 200 Mark Geldstrafe erkannt, wogegen sowohl die Beklagten, als auch der Kläger Berufung eingelegt hatten. Nach erneuter Beweisaufnahme setzte der Gerichtshof die Strafe des Beklagten Glöß auf zwei Monate Gefängniß herab; im Uebrigen wurden die Berufungen verworfen. g. Würzburg, 10. Juni. Der Distriktsrabbiner Nathan Bamberger wurde zur Audienz bei dem Prinzen Leopold von Bayern befohlen, der sich mit ihm eingehend über die Verhältniffe des Nabbinats unterhielt. H. Heidelberg, 10. Juni. Der „Volksbote" entnimmt der „Neuen Bad. Landes-Ztg." folgende Klage: „Wie von durchaus glaubwürdiger Seite berichtet wird, hat sich in einer vor der jüngsten Stadtrathswahl stattgehabten Versammlung der nationalliberalen Stadtverordneten und Stadträthe der frühere Reichstagskandidat Oberst a. D. Rheinau gegen die Wiederwahl des Stadtraths Fritz Homburger mit den Worten ausgesprochen: „Kein Jude gehöre auf das Rathhaus, die Juden seien eine internationale, keines Patriotismus fähige Gesellschaft, die ein Deutscher und Nationalliberaler nicht zu einem solchen Ehrenamt wählen könne." Ter Einsender dieser Mittheilung meint mit Recht, er wisse nicht, was er mehr „bewundern" solle, die Anmaßung dieses Herrn Rheinau, welcher in bekannter antisemitischer Manier Leuten den Patriotismus abspricht, die ihn durch Thaten schon hundertfach bewiesen haben, ehe er mit Worten seine Vaterlandsliebe zu preisen anfing, oder die — charaktervolle Zurückhaltung der anwesenden „Liberalen" (mit Ausnahme Fieser's, welcher Rheinau entgegentrat) und die Bescheidenheit, mit welcher der jüdische Stadtverordnete Professor Goldschmidt diese Schmähung seiner jüdischen Mitbürger angehört und todtgeschwiegen hat."