Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1896)
- Article
- Myslowitz
- Date
- 1896-06-01
- Page
- 328 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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328 3tn Demjcqen L^ercy. statten, daß der Kantor den hebräischen Religionsunterricht in demselben Klassenzimmer der Simultanschule ertheile, in welchem derjenige Lehrer, welcher bisher den hebräischen Religionsunterricht ertheilt, unterrichtet hatre. Bürgermeister Odersky war hiermit einverstanden. Demgemäß unterrichtete der Kantor in diesem Zimmer, in welchem allein von allen Schulzimmern ein Kruzifix sich nicht befindet, länger als vier Wochen. Als nach dieser Zeit der Kantor Nachmittags das Zimmer betrat, ertheilte dort ein anderer Lehrer Unterricht. Der Kantor fand die von ihm zu unterrichtenden Kinder in einem anderen Schulzimmer, in welches sie vor seinem Erscheinen gewiesen worden waren. Da der hebräische Unterricht religiöser Vorschrift entsprechend bedeckten Hauptes ertheilt wird, hatte der Kantor Bedenken, ob dies mit Rücksicht auf das im Zimmer befindliche Kruzifix angängig sei. Es war ihm das Kruzifix keineswegs ein Dorn im Auge; ebenso ist es unwahr, daß er das Kruzifix von der Wand riß und auf den Schulschrank schleuderte. Lediglich aus dem erwähnten Grunde ließ er das Kruzifix für die Zeit der Unterrichtsstunde auf den Schulschrank legen und ordnete gleichzeitig an, daß dasselbe nach Schluß der Unterrichtsstunde sofort wieder an der Stelle, an der es sich befunden, angebracht werde. Letzteres konnte jedoch nicht geschehen, weil der Schulrektor während der Unterrichtsstunde plötzlich mit einem anderen Lehrer im Zimmer erschien. Der Kantor hat, als er von dem Rektor befragt wurde, keineswegs „thörichte, vage Verlegenheitsphrasen gestammelt", sondern in durchaus sachlicher Weise den Vorgang erklärt. Nach seiner Lehrbefugniß konnte der Rektor den Kantor nicht fragen, da dieser mit seinem Wissen länger als vier Wochen in einem Schulzimmer bereits den Religionsunterricht ertheilt hatte. Das Kreuz wurde von dem miterschienenen Lehrer in den Schulschrank eingeschlossen; sonst wäre dasselbe nach Beendigung der Stunde wieder an der Stelle, an welcher es angebracht war, vorgefunden worden." X Lchrimm, 10. Juni. Der Erzbischof von Posen, X)r. von Stablewski, welcher drei Tage in hiesiger Stadt verweilte, hat auf eine Ansprache des Rabbiners Dr. Bamberger erwidert, daß die Erhaltung des religiösen Friedens in seinen Augen ein wichtiges Moment sei. Der Erzbischof schloß mit den Worten: „Möge der Herr unsere gemeinsame Wirksamkeit segnen!" * Köln, 10. Juni. lieber den „Assessoren-Paragraphen" sagt die klerikale „Kölnische Volkszeitung" treffend: „Wir widerstreben derartiger Ausnahmegesetzgebung überhaupt, denn il lry a que le premier pas qui eoüte! Erst werden die Juden aus die Schlachtbank ge-