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Im deutschen Reich · 1896-05-01 · Heft 5 (Mai 1896) · p. 289

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 5 (Mai 1896)
Article
N. M., Berlin
Date
1896-05-01
Page
289 (sequence 2)
Language
German
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Briefkasten der Redaktion. 289 der Konferenz der zur Berner Konvention gehörenden Staaten Holland durch den jüdischen Geheimen Staatsrath Professor Aster, Italien durch den jüdischen General Ottolenghi vertreten war, daß der Jude Luzzatti den deutschen Kaiser mit seinem sozialpolitischen Gesalbader „erfreut" habe, daß bei der jüngsten Preisvertheilung an der Petersburger Universität von den ausgesetzten fünf Preisen vier von Juden davongetragen wurden, wobei Friedlandsky die glänzendste Arbeit geliefert hatte. Er berichtet ferner, daß Kaiser Franz Josef dem in Berlin wohnenden Hebräer Jakob Gutfeld den Orden der Eisernen Krone III. Klasse verliehen, daß der strenggläubige Hebräer Nathan aus Runkel a. d. Lahn zum Bürgermeister-Stellvertreter von Wiesbaden erwählt und bestätigt worden ist, und daß die Königl. Akademie der Wissenschaften zu Berlin den deutsch-französischen Hebräer Professor Dr. Heinrich Weil in Paris zum korrespondirenden Mitglied ernannte. Er erfreut seine jüdischen Leser durch die Mittheilungen, daß der König von Württemberg dem „hebräischen Oberhändler" Julius Neubürger in München den Olga-Orden verlieh, daß Dr. B. Pick zum außerordentlichen Professor der Münzkunde in Jena ernannt wurde, sowie daß der Polizeipräsident von Balan, als er dem Rabbiner Di-. Cohn in Potsdam den ihm verliehenen Rothen Adlerorden IV. Klasse persönlich überbrachte, besonders noch die besten Grüße vom Herrn Oberpräsidenten von Achenbach bestellte. Schließlich meldet er, daß dem im Dienste des Deutschen Auswärtigen Amtes stehenden „hebräischen" Legationsrath Dr. Cahn der Rothe Adler-Orden III. Klasse mit der Schleife verliehen und daß Eduard Steinthal in Dessau zum Geheimen Kommerzienrath ernannt wurde. Ferner versichert er, daß der kürzlich ergangene Erlaß wider die Betheiligung der Beamten an regierungsfeindlichen Agitationen schon zwei Wochen vor der Bekanntgabe unserem Verein mitgetheilt worden sei. Daß alle diese Meldungen nicht gerade ermuthigend aus die antisemitischen Leser des „General-Anzeiger" wirken können, liegt doch auf der Hand, weshalb sehr zu befürchten steht, daß durch solche Unvorsichtigkeiten auch gegen K. Sedlatzek das Mißtrauen, welches die Thätigkeit anderer Bundesgenossen benachtheiligte, erweckt werden könnte. Es fehlte gerade noch, daß man diesen nützlichen Gegner, der in Moabit so oft durch seine Bibelkunde imponirte und von seiner Gelehrsamkeit in Nr. 34 seines Blattes eine neue Probe gab, indem er den deutschen Ursprung des Wortes „Akum" nachzuweisen suchte, trotz aller gegen ihn gerichteten Strafanträge schließlich noch zum „Judenspitzel" machte.- Von allen Antisemiten — ist uns der Schalk am wenigsten verhaßt!

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