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Im deutschen Reich · 1896-05-01 · Heft 5 (Mai 1896) · p. 281

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 5 (Mai 1896)
Article
Lissa
Date
1896-05-01
Page
281 (sequence 1)
Language
German
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Korrespondenzen. 281 O Liffa, Rg. Posen, 10. Mai. Ein antisemitisches Blatt schrieb kürzlich: „Die hiesige reformirte Kirchengemeinde hat das obere Stockwerk der auf dem Friedhofe befindlichen Leichenhalle einer jüdischen Firma als Getreidespeicher vermiethet. Vielleicht liegt doch ein tieferer Sinn darin!" — Ein Sinn liegt allerdings darin, wenn auch kein solcher, wie die „Deutsche Wacht" und Blätter ähnlichen Schlages annehmen. Zu der Vermiethung ertheilte das Konsistorium seine Genehmigung, nachdem der betreffende Raum seit länger als fünfzig Jahren ununterbrochen an verschiedene jüdische Getreidehändler vermiethet gewesen. Die Leichenhalle wird nur bei regnerischem Wetter zu kirchlichen Zwecken benutzt und in solchem Fall muß vertragsmäßig jede Arbeit auf dem Speicher unterbleiben. Auch die hiesige katholische Gemeinde besitzt Speicher, welche an jüdische Kaufleute vermiethet sind. Es erklärt sich dies einfach aus der Thatsache, daß es hier keine christlichen Getreidehändler giebt. Unser Rabbiner hat viele Jahre hindurch in einem der reformirten Kirche gehörigen Gebäude als Miether gewohnt. Solche Thatsachen können nur als Beweis dafür gelten, daß in unserer Stadt zwischen Christen und Juden das beste Einvernehmen herrscht. U Wreschen, Reg.-Bez. Posen, 12. Mai. Auf dem hiesigen israelitischen Begräbnißplatze sind dreizehn Grabdenkmäler von Frevlerhand zertrümmert worden. 0 Hamburg, 12. Mai. Unter der Ueberschrift „Eine jüdische Schwindlergesellschaft" veröffentlichte das hiesige antisemitische „Deutsche Blatt" einen Gerichtsverhandlungsbericht, in welchem der Name des Rechtsanwalts Dr. Goldfeld wiederholt, und zwar mit auffälligen Buchstaben gedruckt, vorkam, trotzdem Herr Di*. Goldfeld mit der ganzen Angelegenheit garnichts zu thun hatte. Die ihm zugesandte Berichtigung veröffentlichte das „Deutsche Blatt" mit dem beleidigenden Zusatz: „Um aber die garnicht angegriffene Ehre des Herrn Dr. Goldfeld ein paar Mal zu retten", und „da aber Herr Dr. Goldfeld Werth darauf zu legen scheint, recht viel in Zeitungen erwähnt zu werden". Dafür wurde der Redakteur Golle zu einer einmonatlichen Gefängnißstrafe verurtheilt und dem Beleidigten das' Recht zugesprochen, das Urtheil auf Kosten Golle's in sämmtlichen Hamburger und Altonaer Zeitungen zu veröffentlichen. Hagen i. 38., 17. Mai. Der Hagener „Deutsch-soziale Verein" verbreitete hier kurz vor Weihnachten Flugblätter, in welchen davor gewarnt wurde, Weihnachtseinkäufe bei Juden zu machen, deren Geschästsgebahren mit Lug und Trug durchsetzt sei. Vier hiesige jüdische Kaufleute stellten deshalb Strafantrag gegen zwei Mitglieder

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