Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1896)
- Article
- Antisemiten-Galerie
- Date
- 1896-05-01
- Page
- 254 (sequence 12)
- Language
- German
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254 deutschen Reich. Noh Haupt, Sattler, ein antisemitischer Wortführer in Wall« darf, hatte wegen Urkundenfälschung 3 Monate Gefängniß zu verbüßen. Oberwinder, Heinrich, der Redakteur des „Volk", ist wegen einer bei Besprechung des Buschhoff-Prozesses verübten Beleidigung der Clever Justizbehörden zu 2 Monaten Gefängniß verurtheilt worden. Im Gnadenwege wurde die Gefängnißstrafe in 500 Mk. Geldstrafe umgewandelt. Paarmann, Sachwalter und Konkursverwalter, welcher als Führer der Antisemiten in Strasburg i. d. Uckermark galt, wurde wegen Unterschlagung steckbrieflich verfolgt. Paasch, Karl, stellte in einer vielbesprochenen Schrift die Behauptung auf, daß hohe Reichsbeamte eine internationale Judenverschwörung direkt und indirekt gefördert hätten, weshalb an seiner Zurechnungsfähigkeit gezweifelt wurde. Nach langen Erörterungen wurde Paasch wegen Beleidigung des Justizministers Dr. v. Schilling, der Geh. Legationsräthe 1)r. Kayser und von Eichhorn, sowie anderer hoher Beamten des Auswärtigen Amtes zu 1 Jahr und 1 Monat Gefängniß verurtheilt. Während Paasch als Geisteskranker der Gefängnißstrafe entging, traten die Antisemiten Theodor Fritsch, Dr. Wesendonk, Prof. Dr. Förstern. A. m. in Wort und Schrift für seine Zurechnungsfähigkeit ein. Als Paasch dann aus dem Jrrenhause entlasten und in eine Nerveikheilanstalt in Leipzig gebracht worden war, ließ er von dort aus drei Flugblätter drucken und verbreiten, in welchen seine beiden Rechtsanwälte Dr. Jvers und Hertwig, sowie ein Arzt von ihm auf das Schlimmste beschuldigt wurden. Als er in Wien, wo ihn der Antisemit Schneider beschützte, sich nicht mehr in Sicherheit glaubte, ging er nach der Schweiz, von wo aus er Schmähschriften gegen seine früheren Gönner, die antisemitischen Reichütagsabgeordneten Freiherrn von Langen und Liebermann von Sonnenberg vom Stapel ließ. Trotzdem werben neuerdings die Antisemiten Bodeck und Sedlatzek für Paasch um ein ReichstagSmandat, um ihm die Rückkehr nach Deutschland zu ermöglichen. Pickend ach, Wilhelm, in Berlin, 1890—1893 antisemitischer Reichstagsabgeordneter. Gegen denselben wurde von der Staatsanwaltschaft ein Ermittelungsverfahren wegen Wuchers eingeleitet. Das Verfahren wurde wieder eingestellt, weil sich der Verdacht