Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1896)
- Article
- Antisemiten-Galerie
- Date
- 1896-05-01
- Page
- 244 (sequence 2)
- Language
- German
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244 Im deutschen Reich. gegenüber einer angeblich drohenden Demoralisirnng durch die Juden aufspielen, wenigstens in ihren vorderen Reihen nur Männer von makellosem Ruf und untadelhafter Führung dulden dürfe. Doch werden gerade in diesen Reihen weit mehr fragwürdige Gestalten gefunden, als in denen irgend einer anderen Partei. Wie anerkannte Autoritäten sich entschieden gegen den Versuch erklärt haben, aus der Kriminal-Statistik einen Zusammenhang zwischen Religion und Neigung zum Verbrechen nachzuweisen, so läßt sich auf der anderen Seite der wesentliche Einfluß nicht übersehen, welchen eine die schlimmsten Instinkte der Massen, Argwohn, Neid und Haß, rücksichtslos erregende Wühlarbeit auf den Charakter der Agitatoren selbst ausübt. Eine große Anzahl sensationeller Gerichtsverhandlungen hat bereits gezeigt, weß Geistes Kinder diese seltsamen Moralwächter sind: Splitterrichter, die den Balken im eigenen Auge nicht sehen, Komödianten, wie Flora Gaß mit zweifelloser Sach- und Personenkenntniß zu dem Freiherrn von Hammerstein sagte — wenn nicht gar gemeine Verbrecher! Es ist wahrlich hohe Zeit, daß Denen, die „heuchelnd in Charnktermasken prunken," die Larve vom Gesicht gerissen und dem deutschen Volke energisch zum Bewußtsein geführt wird, daß diese geistige Strömung eine nicht zu unterschätzende Gefahr für das deutsche Geistesleben und den deutschen Volkscharakter ist. Wie kann eine Bewegung ehrlich, klar und wahr sein, wenn eine erhebliche Zahl ihrer Wortführer als gemeine Verbrecher oder Ehrabschneider gebrandmarkt ist? Man sage nicht, daß ein lebhaftes Temperament und das energische Eintreten für eine gerechte Sache einem leicht eine Anklage einbringen kann. Die Höhe der Strafen, die rechtskräftig zuerkannt und die Qualität der Delikte, die begangen sind, sprechen beredt gegen eine solche Annahme. Eine amtliche Statistik dieser Frevler giebt es nicht; in vielen Fällen werden dieselben von einflußreichen Genossen mit Rücksicht auf die Kompromittirung der Partei in Schutz genommen und, wenn dies nicht möglich ist, wird ihre Parteizugehörigkeit in Abrede gestellt. Machen die Antisemiten grundsätzlich alle Juden für die Fehler einzelner Glaubensgenossen verantwortlich, so kann es ihnen nur dienlich sein, wenn ihnen die nachstehende, alpha-