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Im deutschen Reich · 1896-04-01 · Heft 4 (April 1896) · p. 241

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 4 (April 1896)
Article
N. M., Frankfurt a. M.
Date
1896-04-01
Page
241 (sequence 2)
Language
German
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Briefkasten der Redaktion. 241 und Geh. Justizrath Ernst Wichert Vorträge gehalten; unserer Vereinszeitschrift haben Hans von Basedow, Pohlmann, Uli Schanz u. A. Beiträge geliefert. Wir haben die hohe Bedeutung Gneist's für die Abwehrbestrebungen in einem von R. Bischoff verfaßten Nachruf gewürdigt, Rickert's und Mommsen's Verdienste mündlich und schriftlich wiederholt rückhaltlos anerkannt. Wir wollen nur, daß 500 000 deutsche Juden sich nicht als Klienten hinter ein kleines Häuflein edelgesinnter Christen verstecken, daß sie vielmehr offen selbst für ihre Sache eintreten und in entscheidender Stunde nicht bei einem einzelnen Parlamentarier um ein Fürwort bitten sollen, das bisher, wenn es wirklich gewährt wurde, herzlich wenig gefruchtet hat. Wir wollen keine „Provokation", sondern mannhafte Bewährung einer ehrenhaften Defensive; wir wollen keinen „Abschlich der Juden", sondern eine rechtliche und gesellschaftliche Einfügung der gesammten deutschen Juden in die große Gesammtheit des deutschen Vaterlandes. Wenn uns ein Blatt wie der „Israelit", welches uns ehemals im blinden Vorurtheil sännntlich als „Assimilations-Juden" verurtheilte und uns deshalb zumuthete, einen der Mitbegründer unseres Vereins wegen seiner Mißachtung der Speisegesetze und anderer ritueller Vorschriften als Verräther am Judenthum denl Staatsanwalt zu übergeben, heute „Absonderungsbestrebungen" vorwirft, so ist das eine mehr als sonderbare Konsequenz! Die noch seltsamere Behauptung, daß wir der einzig (!) richtigen und wirkungsfähigen Vereinigung, den: „Verein zur Abwehr des Antisemitismus" in den Rücken fallen, bringt uns auf die Vermuthung, daß der gegen uns gerichtete Artikel gar nicht in der Redaktion des „Israelit" entstanden, sondern demselben von einem Manne zugeschickt worden ist, welcher weder auf dem religiösen noch dem politischen Standpunkte des Herrn Oscar Lehmann steht und mit diesem nur das gemein hat, daß er von dem raschen Aufschwung des Central-Nereins, selbstverständlich mit Unrecht, eine Schädigung anderer Vereinigungen fürchtet. Herr Oscar Lehmann, welcher uns einst für unfähig erklärte, für den Talmud einzutreten, weil wir nicht im Stande seien denselben zu lesen, kann sich unmöglich für den „großen liberalen Gedanken" und noch weniger für die „nationale Assimilation" begeistern. Er kann heute, wo der Central-Verein die verschiedensten politischen und religiösen Richtungen umfaßt, uns im Ernste keine politischen Zwecke, keine „jüdischen Centrumsbestrebungen" zutrauen. Er weiß längst, daß er unsere Bestrebungen verkannt, daß ein Theil seiner Freunde sich uns schon zugewandt hat und der andere Theil sehr bald Nachfolgen wird. Wenn sich Herr Oscar Lehmann noch

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