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Im deutschen Reich · 1896-04-01 · Heft 4 (April 1896) · p. 227

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
2 (1896)
Issue
Heft 4 (April 1896)
Article
Koschmin
Date
1896-04-01
Page
227 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. L27 taube ich mir Ihnen hierdurch mitzutheilen, daß in den Städten Pieschen und Koschmin und wahrscheinlich auch noch in anderen Orten der Provinz des jüdischen Feiertags wegen der Wochenmarkt von Montag auf Dienstag verlegt wurde; in Koschmin auch sogar der Schweine- und Ferkelmarkt, zu dem doch nur Händler aus Schlesien kommen und wo Juden nichts zu suchen haben." — Th tatsächlich hat in Koschmin der Magistrat den Wochenmarkt wegen des jüdischen Osterfestes auf Dienstag verlegt, aber nicht etwa „um mit den Semiten schön zu thun", sondern nachdem auch die befragten christlichen Kaufleute die Verlegung als im allgemeinen Interesse liegend bezeichnet hatten. Auch die hiesigen nichtjüdischen Geschäftsleute erklärten, daß an den Tagen, an welchen die Juden weder kaufen noch verkaufen, die Landbevölkerung weder zum Einkauf noch zum Verkauf zur Stadt kommt. Dieses voraussichtliche Fernbleiben der ländlichen Kundschaft war auch der Grund zur Verlegung des Schweinemarkts. Q Elbing, 32. April. Herr Landgerichtsdirektor Rauscher richtete vorgestern als Vorsitzender des Gerichtshofes eine förmliche Rüge gegen die Geschworenen, welche den wegen Unterschlagung und Bücherfälschung angeklagten Sradtkämmerer und Kaufmann Samuel Ruhm aus Tiegenhof freigesprochen hatten, trotzdem der Vertheidiger Ruhm's angesichts der Ergebnisse der Beweisaufnahme nur auf mildernde Umstände für seinen Klienten plaidirt hatte. Auch von nur mit gelehrten Richtern besetzten Gerichten wurden aber schon früher geständige Angeklagte sreigesprochen, wenn die Richter nicht die volle Ueberzeugung von der Schuld des Letzteren gewinnen konnten. Gänzlich verfehlt ist. aber die von der im antisemitischen Fahrwasser segelnden „Elbinger Zeitung" versuchte Erklärung des Geschworenenspruchs aus „philosemitischen" Neigungen der Geschworenen. Unter den Letzteren befand sich kein einziger Jude; der Vertheidiger war Katholik, und bei der ganzen Verhandlung war außer Samuel Ruhm selbst kein Jude betheiligt. M Erfurt, 13. April. Herr vr. Albert Pick, bisher Lehrer an der hiesigen „höheren Handelsfachschule", ist zum Oberlehrer an dem Königlichen Realgymnasium zu Erfurt ernannt worden. (D Hannover, 10. April. Die vor dem Schöffengerichte am 18. März stattgehabte Verhandlung wegen einer in der „Hannov. Post" veröffentlichten Notiz über eine angeblich von jüdischen Schlächtern in Ostfriesland verübte Fleischbesudelung hat zwar zur Freisprechung des Redakteurs Erich Rosenthal geführt, aber diese Freisprechung erfolgte nur, weil das Gericht die Voraussetzungen des

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