Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 3 (März 1896)
- Article
- Nürnberg
- Date
- 1896-03-01
- Page
- 167 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 167 hältnissen keineswegs. Am Oberlandesgerichte Nürnberg find 21 Beamte thätig, davon 7 Katholiken, 13 Protestanten, und nur ein Israelit (Herr Oberlandesgerichtsrath Berlin, z. Z. Vorsitzender des Schwurgerichts). Am Landgericht sind 11 Katholiken, 16 Protestanten und drei Israeliten (die Herren Amtsrichter Gunzenhäuser. und Dr. Rose und Herr Sekretär Dr. Heymann) thätig. Daß. die hiesigen Advokaten mit wenigen Ausnahmen Juden seien, ist einfach unwahr; von den hiesigen Rechtsanwälten sind 21 Christen und 19 Juden. Der Inhaber der bekannten Maschinenfabrik I. W. Späth, Herr Commerzienrath Falk, der wegen eines Sittlichkeitsverbrechens verhaftet, aber gegen eine Caution von 150 000 Mark wieder freigelassen wurde, ist weder Jude noch Abkömmling von Juden, trotzdem die Berl. „Staatsbürger - Zeitung" Aehnliches durch ein Ausrufungszeichen hinter dem Namen „Falk" andeuten wollte. Er bewegte sich meist in konservativen Kreisen. ® Würzburg, 11. März. Der Rechtsanwalt Dr. Ludwig Joseph aus Frankfurt a. M., der angeklagt war, sich als bayerischer Lieutenant der Reserve während der letzten Herbstmanöver in seinem Quarner zu Obernburg eines Nothzuchtversuches schuldig gemacht zu haben, wurde von dem hiesigen Schwurgericht nach kurzer Berathung freigesprochen. Der Skandalsucht der antisemitischen Presse, welche aus diesem Fall Kapital gegen jüdische Reserveoffiziere zu schlagen versuchte, ist damit der Boden entzogen words^r. O Aschaffeuburg, 14. März. Als während der Fastnachtszeit hiesige Geschäftslokale jüdischer Kaufleute mit antisemitischen Siegelmarken beklebt wurden, schrieb der „Beobachter am Main": „Als „Fastnachtsul!" halten wir den Vorfall für viel zu knabenhaft und geschmacklos. Sollte aber Jemand wirklich die Absicht gehabt haben, damit den Keil der religiösen Zwietracht in unser friedliches Gemeinwesen zu treiben, so verwahren wir uns hiergegen alles Ernstes. Wir Katholiken wandeln nicht die Wege des Hofpredigers Stöcker und des Dr. Böckel. Wir sind auch nicht Freunde des Schulrektors Ahlwardt und' machen nicht in Antisemitismus und Judenhetzen. Deshalb bitten wir alle unsere Gesinnungsgenossen, sich von etwa nach falscher Richtung bewegenden Bestrebungen fern zu halten." 8 Stuttgart, 21. März. Der „Beobachter" und die „Frankfurter Zeitung" veröffentlichen den Entwurf eines Vertrages, durch welchen der Führer der hiesigen Antisemiten, Paul Meyer, einen in Bedrängniß gerathenen Familienvater verpflichten wollte, gegen eine monatliche Subvention von 10 Mark aus Stuttgart fortzuzlehen und seine Elternrechte über die hübsche achtzehnjährige Tochter