Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 3 (März 1896)
- Article
- Leipzig
- Date
- 1896-03-01
- Page
- 166 (sequence 2)
- Language
- German
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166 Im deutschen Reich. Weber in Schlesien und die Kohlenzieher auf den Rhedereien hätten keinen Juden als Vermittler und litten trotzdem die gleiche Noth. Ein antisemitisches Blatt bemerkt dazu: „Eine derartige Auffassung über die Judenfrage von einem Manne zu hören, der soeben warm für sein Christenthum eingetreten war, das enttäuschte alle die so zahlreich im Saale vertretenen Antisemiten und ließ sie erkennen, daß der Antisemitismus von Herrn Pastor Naumann's Thätigkeit nichts Förderndes zu erhoffen hat." Daß diese Voraussetzung eine richtige ist, beweist die Nummer der „Hilfe" vom 8. März. In derselben schreibt Herr Pfarrer Naumann über die Broschüre „Der Messias der Juden" von Kurt Reuß: Wir würden diese antisemitische Broschüre nicht besprechen, wenn sich nicht der Verfaffer als christlich-sozial bezeichnet und in allen sozialreformerischen Angelegenheiten bisher sich als treuer und tüchtiger Christlich-sozialer erwiesen hätte. Er stellt im Anschluß an den antisemitischen Katechismus den jüdischen Einfluß in Presse und Geldhandel mit sehr grellen Farben dar, vermeidet die antisemitischen Judenspäße nicht völlig, ist aber durchdrungen von einem wahren Eifer,. dem arbeitenden deutschen Volke zu helfen. Bestimmte Vorschläge betreffs der Abwehrung des jüdischen Einflusses werden nicht gemacht, und darum läßt sich kein rechtes Ziel erkennen. Sollte es die Aufhebung der verfassungsmäßigen Staatsbürgerrechte der Juden sein, so würden wir nicht zustimmen können." chx Zwickau i. Sachsen, 10. März. Ein eifriger Wortführer der Antisemiten, der früher in Brand bei Freiberg und zuletzt in Aue im Erzgebirge angestellte Volksschullehrer Sobe ist vom Landgericht zu Zwickau wegen schwerer Sittlichkeitsverbrechen, deren er sich Schulkindern gegenüber schuldig gemacht hatte, zu sechs Jahren Zuchthaus und zehn Jahren Ehrverlust verurtheilt worden. Jena, 18 März. Das „Leipziger Kirchenblatt" hatte berichtet, der Lehrstuhl des verstorbenen Brockhaus sei dem Professor Dr. Rosenthal von der juristischen Fakultät der Universität Jena zugedacht, welche dadurch einen jüdischen Professor des „Kirchenrechts" erhalle. Thatsächlich ist Dr. Rosenthal nicht für eine Professur des Kirchenrechts, sondern für eine solche des „Staatsrechts" vorgeschlagen gewesen und inzwischen zum ordentlichen Professor emannt worden. * Nürnberg, 20. März. Im „Bayrischen Vaterland" wurde die Behauptung aufgestellt, daß hier mehr jüdische als katholische Richter seien, daß alle Bureaus voll von jüdischen Rechtspraktikanten säßen, daß zwei Staatsanwälte des Landgerichts, die Sekretäre meistens Juden, die Advokaten mit wenigen Ausnahmen Juden seien. Diese, von verschiedenen Antisemitenblättern abgedruckte Notiz entspricht den thatsächlichen Ver-