Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 3 (März 1896)
- Article
- Kiel
- Date
- 1896-03-01
- Page
- 163 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 163 Familie in Plön stammt und keineswegs der Richtung abhold ist, welche die „Staatsbürger'Ztg." vertritt. l* Driburg, 10. März. Die „Driburger Ztg." veröffentlicht folgende bemerkenswerthe Erklärung: „Das zu Kassel erscheinende Antisemitische Volksblatt enthält in seiner Nummer von 28. September 1885 einen Schmähartikel: „Juda in der Sommerfrische," deffen Verbreiter ich bin und der gegen Herrn Alex Flechtheim zu Brake! und deffen Familie gerichtet war. Herr Flechtheim erhob darauf gegen mich bei dem königlichen Amtsgericht zu Brakel Privatklage, und wurde ich in der am 13. Dezember vorigen Jahres stattgefundenen Sitzung des Schöffengerichts der Thäterschaft überführt und zu einer Gefängnisstrafe von zwei Monaten kostenpflichtig verurtheilt. Herr Flechtheim hat sich aus Rücksicht auf meine Verwandten und auch, weil er meinem verstorbenen Vater befreundet war, bereit erklärt, gegen diese Erklärung und gegen bereits erfolgte Zahlung einer Buße von 500 Mark, welche an Arme und Kranke der Stadt Brakel zu vertheilen sind, sowie ferner gegen Ilebernahme der Kosten den Strafantrag zurückzuziehen. Ich erkläre nun hiermit, daß alles Nachtheilige, was besagter Artikel über Herrn Flechtheim und dessen Familie enthält, Verleumdungen und Entstellungen der schändlichsten Art sind und daß 'meine Handlungsweise um so verwerflicher war, als mir jedweder Anlaß dazu fehlte, da ich niemals persönlichen oder gesellschaftlichen noch geschäftlichen Verkehr, sei es mit ihm, sei es mit seiner Familie, gehabt habe. Brakel, den 29. Januar 1896. Bincenz Brinkmann, zur Zeit Driburg." Hannover, 10. März. Ein hiesiges Blatt berichtete, daß es in dem Disciplinarverfahren wider den aus dem Prozeß Leuß bekannten Dr. Schnutz nötbig geworden sei, durch Wiedereröffnung der Voruntersuchung noch in einigen Punkten das Material zu ergänzen. Die Freunde des Herrn Schnutz erklären in antisemitischen Blättern, daß die sich seit 1891 dahinschleppende Voruntersuchung jetzt gerade so wenig feststellen oder ergänzen werde wie in den verflossenen 50 Monaten. Schnutz beabsichtige aus seinem Defensivstand zur Offensive überzugehen und seinen Gegnern klar zu machen, daß seine Geduld zu Ende sei. Viel kühner Muth und Selbstgefühl! () Hildesheim, 10. März. Von dem hiesigen Landgericht ist der kürzlich wegen Verleitung zum Meineid zu IV* Jahren Zuchthaus verurteilte Thierarzt Wilhelm Meinberg zu Gronau sreigesprochen worden. Die Vertheidigung des antisemitischen Agitators führte Justizrath Seckel aus Göttingen, ein jüdischer Anwalt. -i- Metz, 10. März. Dem jüdischen Fleischermeister Jakob Saul zu Metz ist das Prädikat als „Königlich preußischer Hofschlächtermeister" verliehen worden.