Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1896)
- Article
- Settegast, H. [Rezension]
- Date
- 1896-02-01
- Page
- 125 (sequence 4)
- Language
- German
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Bücherschau. 125 Feststellung des Ergebnisses der Kugelung unberücksichtigt bleibt, d. h. nicht mitzählt. Ein ungünstiges Zeichen darf niemals lediglich mit dem Hinweis auf das Religionsbekenntniß des Aufzunehmenden gerechtfertigt werden." Erst nach dem Durchbrechen des preußisch-freimaurerischen Monopols ist der bisherige „Nothstand in Bezug auf Nichtchristen" in Preußen beseitigt. Fortan soll wenigstens die Freimaurerei, wie sie in den Logen des liberalen Prinzips in Berlin und Altpreußen verstanden wird, der in einem seiner schönsten Lieder erschallenden Klage Emil Rittershaus': „Doch mit schamerglühten Wangen Schau ich auf die Judenhatz'!" nicht mehr den geringsten Vorschub leisten" . . . Dem Wahlspruche Kaiser Friedrichs: „Nicht Stillstand, sondern Fortschritt" Unentwegt treu, hat H. Settegast sich als muthiger Vorkämpfer der liberalen Freimaurerei in Altpreußen bewährt, deren Aufrichtung man vergebens auf Grund eines alten Edikts zu verhindern suchte. — Den Erfolg der von ihm vertretenen humanen Anschauungen erwartet der Verfasser der Schrift „Mehr Licht" von dem versöhnenden Einfluß der Zeit und dem aufklärenden liberalen Prinzip der Freimaurerei. * * * Der Messias der Juden. Von Kurt Reuß. (Gera, Julius Becker's Verlag, 1896.) Der Verfasser verwahrt sich dagegen — den edlen, wahrhaft frommen Naturen in Israel durch seine Schrift religiösen Anstoß geben zu wollen und. meint, ein „rechter Jsraeliter ohne Falsch" im Sinne Jesu könne das heutige Treiben der großen Mehrzahl seiner Volksgenossen selber nur aus tiefstem Herzensgrund verabscheuen. Wir meinen: ein rechter Christ ohne Falsch könne nur das heutige gehässige Treiben der Antisemiten verabscheuen, jedenfalls würde er nicht Anklagen gegen eine halbe Million seiner Mitbürger kritiklos auf die längst widerlegten Verleumdungen der Antisemiten-Chronik von Th. Fritsch begründen, die Echtheit des längst als erfunden nachgewiesenen angeblichen Manifestes der Alliance israelite und der gefälschten Schulchan-Aruch-Auszüge ohne Weiteres behaupten. Eine Lüge wird deshalb nicht zur Wahrheit, wenn sie hundert Mal wiederholt wird! Am widerlichsten berührt die auf S. 53 der Flugschrift ausgestellte Behauptung der Verschuldung des ersten Kronprinzen des deutschen Reiches, welche den „deutschen Siegfried" gezwungen habe, „die Juden mit Glacehandschuhen anzufassen." Was man als anständiger Mensch nur mit Glacehandschuhen anfassen kann, sind Flugschriften, deren Verfasser selbst vor der Entweihung des Andenkens des kaiserlicheil Märtyrers nicht zurückschrecken! %*