Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1896)
- Article
- Dresden
- Date
- 1896-02-01
- Page
- 113 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 113 1896 den Betrag von 300 Mk. an das städtische Armenamt zu Dresden auszuzahlen, zur Verkeilung zu gleichen Theilen an Angehörige der drei Konfessionen." — Einen bekannten antisemitischen Parteigänger, den Restaurateur Vetter, verurteilte das hiesige Landgericht wegen gewerbsmäßigen Wuchers zu fünf Monaten Gefängniß, 300 Mark Geldstrafe und ein Jahr Ehrverlust. Der Gesinnungsgenosse des Breslauer Graveurs Sedlatzek hat namentlich Handwerker ausgebeutet und sich von diesen 40—130 Prozent Zinsen zahlen lassen. O Leipzig, 3. Februar. Wie jetzt selbst Fachblätter den Antisemiten zu Liebe Geschichtchen bringen, in welchen die Juden eine unwürdige Rolle spielen, zeigte eine von der hier erscheinenden Wochenschrift „Die Mühle" kürzlich veröffentlichte Notiz aus Ostpreußen, in welcher die Art, wie ein jüdischer Mühlenbesitzer mit einem Bäckermeister Geschäfte machte, karrikirt wurde. Weislich unterließ es der Urheber dieser Notiz, die betreffenden Persönlichkeiten oder den Ort, wo sich der Vorfall abgespielt haben soll, näher zu bezeichnen. D Zittau i. Sachsen, 15. Februar. Der antisemitische Agitator F. A. Geißler, der nach einander Marine-Unteroffizier, Grenzaufseher und Cigarrenhändler war und sich hier schließlich als Gedankenleser den Titel „Professor" beilegte, wird jetzt wegen Betruges steckbrieflich verfolgt. Der „Herr Professor" war einer der hervorragendsten Mitbegründer des hiesigen antisemitischen Reformvereins. [| Nordstetten i. Württemberg, 2. Februar. .Hier, wo Bcrthold Auerbach geboren wurde und seine letzte Ruhestätte gefunden hat, herrscht zwischen dem katholischen Pfarrer und der israelitischen Gemeinde ein schönes Verhältniß. Als Herr Pfarrer Ginter vor zwei Jahren sein goldenes Priesterjubiläum beging, bedachte er in einer Stiftung auch die jüdischen Ortsarmen und als er am 22. Januar d. I. sein 25jähriges Jubiläum als Bezirksschulinspektor feierte, widmete die israelitische Gemeinde dem humanen Geistlichen einen Pokal. X Karlsruhe, 15. Februar. Gegen den verantwortlichen Redakteur der srüherhiererschienenenantisemitischen „Volksmacht" hatte s.Z. der größteTheil der hiesigen jüdischen Rechtsanwälte und Aerzte Beleidigungsklage erhoben, weil das genannte Blatt einen Artikel veröffentlicht hatte, in welchem es hieß: „Du sollst dein Recht keinem jüdischen Advokaten, deinen Leib keinem jüdischen Arzt, deine Kinder keinem jüdischen Lehrer anvertrauen, damit ihr nicht Schaden nehmet an Ehre, Leib und Seele!" Von dem Schöffengericht zu Karlsruhe deshalb zu 14 Tagen Gefängniß verurtheilt, legte der Angeklagte Berufung an das Landgericht ein, welches jedo.^ das 8