Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1896)
- Article
- Köln
- Date
- 1896-01-01
- Page
- 63 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316611-2316613--00707-2318139- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. 69 Bibel hin, welche den Werth der Arbeit betonen. . Die biblische Morallehre stehe weit über der Ethik der Griechen und Römer, welche die Arbeit für den freien Mann erniedrigend hielten. Mit einem kräftigen Appell an das ftiedliche Zusammengehen der Konfessionen schloß der Redner. Nachdem noch der Geh. Oberjustizrath Oberstaatsanwalt Hamm über „Die neben der Strafe erforderliche Fürsorge für die Gefangenen" und Herr Rechtsanwalt Julius Bachem, Redakteur der „Köln. Volkszeitung" über „Die Fürsorge-Einrichtungen in Deutschland und im Auslande" gesprochen, hielt der Vorsitzende des Köln. Gefängnißvereins, Herr Erster Staatsanwalt Dr. Hupertz, die Schlußrede. Das nahezu 1500 Personen zählende Publikum harrte bis zum letzten Augenblicke aus; der Eindruck der Versammlung im großen Gürzenich-Saal in Köln war zweifelsohne dem konfessionellen Frieden günstig. # Essen, 20. Januar. Sieben jener Gelsenkirchener Einwohner, welche von Antisemiten aufgestachelt, am Abend des 3. September v. I. das .Haus des Handelsmanns Block, am Vorabend der Hochzeit seiner Tochter, durch Steinwürfe verwüstet und dann sich gegen die einschreitenden Polizeibeamten aufgelehnt haben, hatten sich deshalb vor dem hiesigen Landgericht zu verantworten. Drei der Angeklagten wurden wegen Landfriedensbruchs zu je drei Monaten Gefängniß vemrtheilt. t Aachen, 9. Januar. Bei einem am letzten Sonntag in Stolberg stattgehabten jüdischen Begräbniß benahm sich ein Theil der Zuschauer in einer Weise, welche offenbarte, welche Verrohung der Gemüther der Antisemitismus verursacht. Der Trauerzug wurde vielfach verhöhnt; als derselbe auf dein israelitischen Friedhofe anlangte, erreichte der Lärm seinen .Höhepunkt, Nach dem gebeugten Gatten sollen, als er am Grabe zusammenbrach, Steine und Erde geworfen worden sein. Die katholische „Volkszeitung" bezeichnet dieses Verhalten des Pöbels als geradezu „kannibalisch" und fügt hinzu, daß die verstorbene Frau, sowie die ganze Familie allgemein geachtet und beliebt gewesen. Die Entrüstung unter der Einwohnerschaft Stolbergs ist denn auch eine fast allgemeine. X Dresden, 20. Januar. Bei der vorgestern im hiesigen Gewerbehause abgehaltenen Festfeier hielt .Herr Oberlehrer Dr. Weidenbach die Festrede, in welcher derselbe u. A. Folgendes sagte: „Tief aber kränkt es uns, daß der inneren Feinde so viele erstanden sind. Nicht von denen will ich reden, die fremden Stammes in unserer Mitte leben um ihres persönlichen, materiellen Vortheiles willen — es ist begreiflich, daß sie mit wenigen rühmlichen Ausnahmen für unseres Vaterlandes Größe und seine Ehre kein Herz haben u. s. w." So spricht in Dresden ein Jugendbildner, der besonders in Turnerkreisen gefeiert wird, derselbe Mann, welcher einst den bekannten Schriftsteller