Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1896)
- Article
- Birnbaum
- Date
- 1896-01-01
- Page
- 62 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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62 3tn deutschen Reich. Staatsbürger jüdischen Glaubens befänden. Wahrlich, Christ und Jude vereint sich unterm Weihnachtsbaum, dem Freudenzeichen unserer christlichen Wiedergeburt. Auch eine Beschcerung der Mitglieder unter sich findet statt. Da wäre es denn doch angebracht, wenn die jüdischen Mitglieder den christlichen gegenüber ihren Dank wenigstens bei den Geschenken dadurch besonders ausdrückten, indem sie dieselben durch einen — übersetzten Schulchan Aruch — überraschten, um sie dadurch zu bekehren, damit diese Feier einen guten Zweck verfolgt. Aber wie tief beschämend muß diese Feier unseren christlichen Lehrerstand treffen: ist doch der Vorsitzende dieses Vereins Lehrer. Was muß da ein richtiger christlicher Familienvater denken, der Kinder in die Schule schickt, die vielleicht von diesem Lehrer Religionsunterricht erhalten; muß er sich nicht die Frage vorlegen: nimmt es dieser Mann mit der christlichen Religion wirklich noch ernstlich, wenn er im Verein mit Juden eine Weihnachtsfeier veranstaltet? Was für Lieder werden wohl dort unterm Weihnachtsbaum gesungen werden? Hier wäre es wahrlich Amt der Herren Geistlichen, nachdrücklich dagegen einzuschreiten." — Trotzdem war die Betheiligung an dem geselligen Abend des Turnvereins eine sehr zahlreiche. Unter den anwesenden 160 Personen waren 150 aus angesehenen christlichen Bürgerfamilien und nur vier jüdische Familien mit 10 Personen. Das „Birnbaumer Wochenblatt" schloß den Bericht über den Verlauf des Festes mit den Worten: „Einen schöneren Abend wie den heutigen haben wir im Turnverein noch nicht genossen!" — Vor einigen Wochen ist der Vorsitzende des hiesigen antisemitischen Vereins, Herr Cigarrenfabrikant Dumke, aus dem Birnbaumer Turnverein ausgeschlossen worden. [) Köln, 2. Januar. In dem von der Stadtverwaltung dazu überlassenen berühmten großen Gürzenich-Saal hielt hier kürzlich der „Verein der Fürsorger für entlassene Gefangene" eine überaus zahlreich besuchte Versammlung ab, in der drei Geistliche längere Ansprachen hielten. Der Herr Weihbischof Dr. Schmitz sprach über „Die Pflicht der christlichen Barmherzigkeit an den Gefangenen". Sodann verbreitete sich Herr Gefängnißprediger Dr. von Koblinski über „Die Geschichte der Liebesarbeit an den Gefangenen und Entlassenen" und erzählte manches Interessante aus der Wirksamkeit des Vereins. Hierauf sprach Herr Rabbiner Dr. Frank über „Die Bedeutung der Arbeit bei der Fürsorge für Entlassene" und wies dabei auf die erfreuliche Erscheinung hin, daß hier ein Boden betreten werde, auf dem Katholizismus, Protestantismus und Judenthum in einem Punkte zusammen treffen. Der Redner hob den sittlichen Werth der Arbeit im Allgemeinen und für frei gewordene Gefangene insbesondere hervor; er wies dann auf zahlreiche Stellen der