Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 2 (1896)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1896)
- Article
- Breslau
- Date
- 1896-01-01
- Page
- 59 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316611-2316613--00691-2318135- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Korrespondenzen. m das Stärkste, was mir in meinem kommunalen Leben vorgekommen ist, daß in dieser Weise die Vertreter einer Haupt- und Residenzstadt charakterisirt werden. Es ist ja die Behauptung allerdings so gegeben, daß vielleicht der Strafrichter Zweifel haben wird, wo da die Verantwortung liegt. Aber man braucht keinen dolus eventnalis zu konstruiren, sondern es liebst ein direkter dolus vor. Es ist dies ein infamer Vorwurf, wie er schlimmer nicht gedacht werden kann, und man muß erstaunen, daß solche Vorwürfe aus Kreisen kommen, die man als anständige Leute behandelt." Thatsächlich hat die Äanalisations - Kommission, deren Vorsitz Stadtbaurath v. Scholtz führt, die Frage der Erwerbung des Rittergutes Weidenhof einet: gründlichen Berathung unterzogen. Neben dem Stadtbaurath v. Scholtz haben noch zwei andere Männer das Weidenhofprojekt empfohlen, nämlich Stadtrath Kern und Stadtv. Grützner. Die „Breslauer Ztg." bemerkt, daß Stadtbaurath v. Scholtz streng katholisch, Stadtrath Kern ein treuer Anhänger der konservativen Partei und Stadtv. Grützner zweiter Vorsitzender des Neuen Wahlvereins ist. + Neisse, 17. Januar. Im Novemberheft dieser Zeitschrift wurde Herr Max Ellguther irrthümlich nur als Religionslehrer der hiesigen Synagogen-Gemeinde bezeichnet, derselbe ist Prediger der hiesigen Religionsgemeinde. im Stettin, 19. Jannar. Tie aus der „Hannöv. Post" in die „Staatsbürger-Ztg." übergegangene Notiz: „Der Freiwillige von Dijon als jüdische Reklame" zeigt so recht, wie die Antisemiten- Blätter mit der Wahrheit umgehen. Die betreffende Notiz lautete: „Vor einiger Zeit ging durch die Presse die Mittheilung, daß der Freiwillige von Dijon, Buchwald, derjenige, welcher sich um die Rettung der verlorenen Fahne der 61 er besonders verdient gemacht hat, in Noth auf Gut .Heuershof bei Stettin lebe. In einer Zusammenkunft des antisemitischen Vereins wurde für den bedrängten Helden eine Sammlungveranstaltet, die 1Z Mk. 50 Pf. aufbrachte. Ein Herr wurde mit Ueberrnittelung des Geldes betraut. Dieser fragte bei dem Gutsbesitzer nach dem Sachverhalt an und erhielt das folgende Schreiben: „Heuershof, 27. Nov. 1895. Geehrter Herr! In höflicher Erwiderung Ihrer werthen Karte möchte Sie bitten, die für den Arbeiter Buchwald bestimmte Summe an würdigere Bedürftige in Ihrem Orte vertheilen zu wollen, Buchwald ist nicht derjenige, der bei der Fahne des 61. Regiments betheiligt war, ein Säufer und ein vollständig herunter gekommener Mensch. Buchwald ist unverheirathet und bei mir als fremder Arbeiter bei einem Lohn von Mk. 7,50 bis 9,50 pro Woche und Essen. Buchwald ist durch sein lüderliches Leben verkommen. Vom Sonnabend bis Montag hat er seinen Wochenlohn verbracht, nachher darbt er. Ein Jude, der mit Knochen und Lumpen Han-