Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1895)
- Article
- Kopenhagen
- Date
- 1895-12-01
- Page
- 316 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2316602-2316604-2316610--00585-2317981- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
816 Im deutschen Reich. Dänemark lebenden Juden aber seit dem Jahre 1860, wo die Juden 2,63 Prozent der Gesammtbevölkerung ausmachten, wesentlich, nämlich bis auf 1,88 Prozent, zurückgegangen ist. Wenn die Berliner „Tägliche Rundschau" das Land deshalb glücklich preist, ist dies aber nur eine antisemitische Verblendung; anderen unbefangenen Beobachtern dürfte dieser auf volkswirthschaftliche Gründe zurückzuführende Rückgang nur ein Beweis dafür sein — daß Etwas faul im Staate Dänemark ist! Uereinsnachrichie«. An der von dem Central-Verein veranstalteten zweiten Del eg irten- Versammlung, welche am Montag, den 2. Dezember d. I., Abends 8% Uhr, im Hotel „Münchener Hof", Spandauerstraße 11—13, stattfandt nahmen außer mehreren Vorstandsmitgliedern und Delegirten der Berliner Gruppen, Herr Sanitäts-Rath Dr. Wiesenthal als Vertreter der jüdischen Gemeinde zu Berlin und gegen 50 Vertreter der Vorstände auswärtiger Gemeinden, Theil. Vertreten waren u. A. die Synagogen-Gemeinden zu Brandenburg, Bromberg, Czarnikau, Danzig, Dobrzyn, Erfurt, Exin, Forst, Frankfurt a. O., Freienwalde, Graetz, Halle, Labes, Lübben, Luckenwalde, Rakel, Potsdam, Prenzlau, Pr.-Stargard, Pyritz, Rathenow, Rawitsch, Stendal, Stettin, Schildberg, Schönlanke, Schulitz, Spandau, Stuhm, Vandsburg, Waren i. M. rc. Der Vorsitzende des Central- Vereins, Herr Rechtsanwalt Dr. Horwitz, begrüßte die Versammlung, hieß insbesondere die erschienenen Vertreter auswärtiger Gemeinden willkommen und bedauerte, daß durch die etwas verspätete Absendung der Einladung eine größere Anzahl Gemeinden nicht mehr in der Lage gewesen sei, die Versammlung zu beschicken. Die meisten dieser Gemeinden hätten darüber ihr Bedauern, gleichzeitig aber auch ihre Sympathien mit den Bestrebungen des Central-Vereins ausgedrückt und die Geneigtheit kundgegeben, sich an weiteren Versammlungen zu betheiligen. Diese würden zum Zwecke des mündlichen Meinungsaustausches allmählich stattsinden, dis sie sich über ganz Deutschland erstreckt hätten. Die Roth der Zeit habe die deutschen Juden dazu geführt, sich zur Abwehr zusammenzuthun, sich zur Wahrung ihrer Rechte, nicht um aggressiv zu wirken, enger an einander zu schließen. Erst schüchtern, dann aber immer kühner,