Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1895)
- Article
- Zittau
- Date
- 1895-12-01
- Page
- 314 (sequence 2)
- Language
- German
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- Zittau 1× ep/1046085
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314 3m deutschen Reich. General-Anzeiger" vom 17. Nov. d. I. stand folgende Notiz: „Ein „feiner" Bankerott ist der des Dr. Salomon in Kunnersdorf bei Zittau in Sachsen. Den angemeldeten Forderungen von 2109 809 Mk. steht nämlich nur der winzige Massenbestand von 5274 Mk. gegenüber. Die Gläubiger erhalten demnach für je eine Mark ihrer Forderung Vs Pfg., das ist auf tausend Mark, ganze — 2 Mk. 50 Pfg." Die genauesten Erkundigungen in Kunnersdorf sowie in Löbau ergaben Folgendes: Ein Dr. Salomon ist in Kunnersdorf nicht vorhanden, ein Bankerott von 2109 809 Mk. ist dort nicht vorgekommen. Herr Sedlatzek hat also wieder einmal sein „Erfindertalent" erprobt! O München, 10. Dezember. Aus Anlaß der Niederlegung des Notariats wurde dem Justizrath Dr. Jacob Hausmann das Ritterkreuz des Civilverdienstordens der bayerischen Krone verliehen, mit welcher Auszeichnung der persönliche Adel verbunden ist. < Stuttgart, 10. November. Der „Württembergische Schutzverein für Handel und Gewerbe" hat vor Kurzem aus Anlaß der unwahren Behauptung, daß er die antisemitische „Schwäbische Reform" für seine Kundgebungen benutze, Folgendes erwidert: „Wir betonen, daß wir weder politische noch konfessionelle Zwecke verfolgen, sondern rein wirthschaftliche. Daran halten wir mit aller Bestimmtheit fest, in der Theorie sowohl als in der Praxis. Wir haben mehrere israelitische Mitglieder, denen es recht wohl bei uns ist. Sie sind mit uns der Ansicht, daß der Schwindel und das Unreelle im Geschäftsleben bekämpft werden muß, wo nur immer Veranlassung dazu vorliegt, sei der Urheber christlicher oder israelitischer Konfession. Wir mußten uns freilich auch schon gefallen lassen, daß Mitglieder bei uns ausgetreten sind, weil wir Israeliten aufnehmen. Solche Vorgänge können nur unser lebhaftes Bedauern erregen, nicht aber eine Aenderung unseres Prinzips veranlassen." Auch dem Terrorismus der antisemitischen Schreier gegenüber, von dem man sich anderwärts so merkwürdig leicht einschüchtern läßt, gilt hier das Wort: „Der wackere Schwabe forcht sich nit, ging seines Weges Schritt für Schritt!" O Heidelberg, 15. Dezember. Der badische Landtag hat die antisemitische Petition, die von dem Staate zu veranstaltende Uebersetzung des Schulchan-Aruch betreffend, dem Anträge der Kommission gemäß, abgelehnt. Im Laufe der Debatte hatte der nationalliberale Abgeordnete Landgerichtsdirektor Fieser erklärt: Der wahre Grund des Antisemitismus sei nicht die Befürchtung derartiger Geheimgesetze, sondern der Neid auf den Fleiß und die sauer erworbene Wohlhabenheit der Juden. Vor jüdischen Geheimgesetzen brauchten wir, falls wirklich welche vorhanden wären, uns nicht zu fürchten; unsere Gesetze gewährten genügenden