Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1895)
- Article
- Dresden
- Date
- 1895-12-01
- Page
- 313 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 313 betreffend: Die Deputation schlug der Kammer vor, die Petition auf sich beruhen zu lassen, indem sie erklärte, daß es nicht zutreffe, wenn man behaupte, es handle sich um geheime Gesetz- und Lehrbücher, denn es gebe 175 Ausgaben des Schulchan-Aruch. Die Deputation könne unter diesen Umständen ein Geheimhalten nicht anerkennen, denn jeder, der hebräisch versteht, ist in der Lage, sich von dem Inhalte des Schulchan-Aruch zu überzeugen, und deren sind nicht Wenige, so die Lehrer der orientalischen Sprachen und eine große Mehrzahl der Theologen. Es kann bei dieser Sachlage nicht Aufgabe eines Einzelstaates sein, die Uebersetzung eines nicht unbekannten Werkes herbeizuführen. Daß. bis jetzt keine Uebersetzung des Werkes erfolgte, erklärt sich daraus, daß Diejenigen, die sich für den Inhalt des Buches interessiren, Gelegenheit haben, vom Inhalte Kenntniß zu nehmen, aber auch, daß bis in die neueste Zeit das Interesse ein verhältnißmäßig geringes ist. Mit Rücksicht auf alle Anschauungen über den Schulchan, der durchaus nicht ein bindendes Gesetz für das Judenthum enthält, wäre es gewiß wünschenswerth, wenn eine solche Uebersetzung zur Klärung der Ansichten über dieses Buch erschiene. Wenn man sich auch auf diesen Standpunkt stellt, daß die Allgemeinheit Interesse an einer Uebersetzung hat, so kann es doch nicht die Aufgabe eines Einzelstaates sein, denn nur das Reich hat die Kompetenz für Regelung solcher Fragen, und nur eine solche Uebersetzung würde genügen und allgemeine Anerkennung finden. Es ist mit derartigen Uebersetzungen durchaus nicht so leicht; der Zweck einer Klärung würde nicht erreicht werden, wenn nicht das Reich die Uebersetzung in die Hand nimmt. Der Antrag des Grafen zur Lippe, die Petition der Staatsregierung zur Kenntnißnahme zu überweisen, wurde mit großer Mehrheit abgelehnt und dann der Deputations- Vorschlag einstimmig angenommen. — Das hier erscheinende Antisemitenblatt „Deutsche Wacht" berichtet: „Soeben wird uns wieder aus Berlin von befreundeter Seite telephonisch mitgetheilt, daß dort ungeheuerliche Gerüchte über angebliche Differenzen in der Leitung der „Deutschen Wacht" und über das bevorstehende Eingehen unseres Blattes verbreitet werden. Die „Frankfurter Zeitung" soll zur Weiterverbreitung dieses Lügengespinsteü benutzt werden. Sämmtliche Behauptungen sind selbstverständlich völlig aus der Lust gegriffen!" — Wirklich? Leipzig, 1. Dezember. Bei den hier stattgefundenen Stadtverordnete nwah len erlangten die Sozialdemokraten, welche 8228 Stimmen aufbrachten, sechs, die tonservativ-nationalliberalen Kartellparteien mit 4265 Stimmen zwei Mandate. Für die Liste der Bürgerpartei wurden nur 633, für diejenige der Antisemiten sogar nur 546 Stimmen abgegeben. # Zittau i. S., 19. Dezember. In Nr. 92 des „Deutschen 22'