Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1895)
- Article
- Kattowitz
- Date
- 1895-12-01
- Page
- 312 (sequence 2)
- Language
- German
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812 3tu deutschen Reich. gegen proleftirten zahlreiche Anwesende, darunter mehrere angesehene katholische Bürger. Schließlich trat die Hüttenpartei für Kleemann ein, der bei der Wahl am 27. November 384 Stimmen erhielt, während es Herrmann nur auf 318 Stimmen brachte. Von den übrigen drei Gewählten der drei Abtheilungen sind zwei Katholiken und einer Protestant. In der zweiten Abtheilung haben die jüdischen Wähler die Wahl des katholischen Gymnasiallehrers Haks in jeder Weise begünstigt, wie denn überhaupt hier zwischen Christen und Juden das beste Einvernehmen herrscht, welches auch hoffentlich durch die bösartigen Hetzereien des Posener Antisemitenblattes „Post^p" nicht getrübt werden wird. A Neisse, 14. Dezember. In antisemitischen Blättern wird das unter Leitung des Dr. Karbolla stehende „Juppe-Bad" in dem nahen Ziegenhals mit dem Bemerken empfohlen, daß dort ein Jude keine Wohnug erhält oder doch möglich separat behandelt wird. Zu dem Aufschwünge des Juppe-Bades dürfte diese antisemitische Empfehlung kaum beitragen, zumal die Bevölkerung hiesiger Gegend solchem intoleranten Wesen entschieden abhold ist. Z Herford, 10. Dezember. Bei der Reichstagsstichwahl in dem früher von dem Freiherrn von Hammerstein vertretenen Wahlkreise Halle- Herford siegte am 5. d. M. der Bürgermeister Quentin (natlib.) mit 8955 Stimmen über Amtsgerichtsrath Weihe (kons.), der 8636 Stimmen erhielt. Die Konservativen machten für diese Niederlage die antisemitische Kandidatur Schall verantwortlich; sie argumentirten, daß wenn die für Schall abgegebenen Stimmen im ersten Wahlgange für Weihe abgegeben worden wären, dieser gesiegt hätte. Dazu meint die „Hann. Post": „Diese Beweisführung ist vollständig falsch. Denn die antisemitischen Wähler wären nicht für den konservativen Kandidaten eingetreten, sondern zu Hause geblieben." X Hamburg, 15. Dezember. Der Schriftsteller Wald, welcher als verantwortlicher Redakteur der beiden hiesigen antisemitischen Blätter „Abwehr" und „Deutsche Reform" zeichnete, wird wegen verübter Kautions- Schwindeleien und Wechselfälschungen steckbrieflich verfolgt. Wald soll auch an den bei dem letzten Pferderennen vorgekommenen Fälschungen von Totalisator-Tickets betheiligt gewesen sein. In einer Beleidigungsklage, welche vor einiger Zeit von einem Arzt gegen Wald angestrengt wurde, und die mit seiner Verurtheilung zu vier Wochen Gefängniß endigte wurde bereits die Handlungsweise Waldes gerichtsseitig scharf beleuchtet. A Dresden, 22. Dezember. In der ersten Kammer des sächsischen Landtages erstattete am 18. d. M. der Abgeordnete Dittrich den Deputations- Bericht über eine Petition des Schulkassen-Rechnungsführers C. Wellner und Genossen in Schwarzenberg, die Uebersetzung des Schulchan-Aruch