Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 6 (Dezember 1895)
- Article
- Eines der Mißverständnisse des Herrn Stöcker
- Date
- 1895-12-01
- Page
- 294 (sequence 1)
- Language
- German
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294 Eines der Mißverständnisse des Herrn Stöcker. In einem „Die soziale Frage" überschriebenen Artikel, welchen die Zeitschrift „Das Volk" am 17. November 1892 veröffentlichte, berichtete Jules Huret über eine Unterredung, welche er mit dem ehemaligen Hofprediger Stöcker gehabt hatte. Auf Huret's Frage nach den Zielen des Antisemitismus, antwortete Stöcker u. A. wörtlich: „Ich habe niemals behauptet, der jüdische Ritus bedinge die Anwendung von Christenblut . . . Aber es steht unbedingt fest und ist mir auch von Diplomaten, die im Orient geweilt haben, bestätigt worden, daß fanatische und abergläubige Juden Morde begehen, um sich des Blutes ihrer Opfer zu bedienen . . . Und die angesehenen israelitischen Persönlichkeiten schaden sich selbst unendlich — ich gebe hier nur den öffentlichen Ausspruch eines amerikanischen Rabbiners wieder — wenn sie diese Mörder mit allen erdenklichen Mitteln decken und hehlen, so daß man niemals den Schuldigen heraussindet." Diese eigenthümliche Aeußerung veranlaßte einen mir persönlich bekannten Herrn eine direkte Anfrage an Herrn Stöcker zu richten, welche derselbe am 3. Dezember 1892 durch eine Postkarte folgenden Inhalts beantwortete: „In der Unterredung Jules Huret's ist Manches nicht ganz richtig wiedergegeben. Ich hatte nicht gesagt, daß unsere orientalischen Diplomaten es mir bestätigt hätten, sondern daß ein hoher Staatsbeamter, mir erzählt hätte, keiner unserer orientalischen Diplomaten zweifle an dem jüdischen Ritualmord. Die Namen der Diplomaten kenne ich nicht. Hochachtungsvoll Hofprediger a. D. Stöcker." Mit dieser ausweichenden Antwort gab sich der betreffende Herr nicht zufrieden. Unter Beilegung einer Postniarke für die