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Im deutschen Reich · 1895-11-01 · Heft 5 (November 1895) · p. 273

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 5 (November 1895)
Article
Vereinsnachrichten
Date
1895-11-01
Page
273 (sequence 3)
Language
German
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Vereinsnachrichten. 273 iercn Wirkung aber erst mit der Zeit in die Erscheinung treten kann. Es ist nichts Geringfügiges, daß der Ceniral-Berein zu einer Stelle geworden ist, an welcher alle deutschen Juden Rath und soweit als möglich, Beistand erhalten, wenn sie nicht als Einzelne, sondern wegen ihrer Religion -oder ihrer Abstammung angefeindet werden. Wie wiederholt, wenn sich Juden durch die Ausschließung vom Schöffen- und Geschworenen- Ämt zurückgesetzt fühlten, durch die Rathschläge des Central-Vereins-Vorstandes Abhülfe geschafft wurde, so ist dies auch in anderen Fällen geschehen. Als Beispiel mag hier nur ein einzelner Fall erwähnt werden, in welchem ein jüdisches Bankhaus in Hannover von zwei Postbeamten in Quakenbrück dadurch beleidigt wurde, daß dieselben die ihnen wie vielen anderen Postbeamten der Provinz Hannover zugegangenen Cirkulare mit den auf den Briefumschlägen angebrachten verletzenden Bemerkungen zurückgehen Ließen: „Kaufe nicht von Juden" und „Annahme von jüdischen Firmen grundsätzlich verweigert." Auf unsere Veranlassung wandte sich das Bankhaus mit einer von uns entworfenen Beschwerde über den Oberpostassistenien Schmidt und den Postassistenten Sommerburg in Quakenbrück an das Kaiserliche Hauptpostamt zu Osnabrück. Bald darauf ging dem hannoverschen Bankhaus der folgende, aus Oldenburg vom 24. Oktober datirte Bescheid zu: „Auf Ihre, an das Postamt in Osnabrück gerichtete und mir vorgelegte Eingabe vom 7. Oktober erwidere ich Ihnen ergebenst, daß gegen die beiden Beamten des Postamts in Osnabrück wegen der durchs aus ungehörigen Bemerkung aus der Rückseite der von ihnen zurückgewiesenen Briefsendungen das Erforderliche verfügt worden isr. Der Kaiserliche Ober-Postdirektor." Wenn die deutschen Juden allerwärts zeigen werden, daß sie sich sowohl ihrer Rechte als auch ihrer Pflichten als deutsche Staatsbürger bewußt sind, werden die Judengegner sich wohl hüten, mit ihnen anzubinden. Sollte es dem Centrat-Verein mit der Zeit gelingen, nicht nur den deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens Selbstvertrauen und Charakterstärke wiederzugeben, sondern nach die Mehrheit der christlichen Mitbürger und insbesondere die regierungsfreundlichen Parteien davon zu überzeugen, daß die Antisemiten die gefährlichsten Umstürzler find, dann wird man von ihm vielleicht einst wie von dem energischen ^aertiaden rühmend sagen: „Traun gar vieles bereits hat Odysseus Gutes vollendet, Heilsamen Rath zu reden berühmt, und Kämpfe zu ordnen; Aber anjetzo vollbracht' er das Trefflichste vor den Argeiern, Daß er den ungestümen und lästernden Redner geschweiget!

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