Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 5 (November 1895)
- Article
- Kaaden i. Böhmen
- Date
- 1895-11-01
- Page
- 271 (sequence 2)
- Language
- German
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Vereinsnachrichten. 271 Unarten" veröffentlichte, angeblich von dem hier wohnhaften Hermann Heller an die Redaktion der „Nordwestbömifchen Nationalzeitung" in Saaz gerichtete alberne Drohbrief ist weder von Hermann Heller, noch von einem anderen hiesigen Juden verfaßt oder abgesendet worden, sondern das Machwerk eines jugendlichen Antisemiten, dem die Brüxec Staatsanwaltschaft auf die Spur gekommen ist. Verschiedene österreichische Blätter haben dies bereits zur Kenntnis; ihrer Leser gebracht; von dem „Bad. Volksboten" und Organen ähnlicher Gesinnung ist aber der Widerruf einer Verleumdung nur dann zu erwarten, wenn sie dazu gerichtlich gezwungen werden. Das ist eine unleugbare antisemitische Unart! Uereinsnachrichterr. Bon den in der am 6. Oktober d. I. stattgehabten Delegirten-Versammlung anwesenden Vertretern der Berliner Gruppen des Central-Vereins und den Vertretern schlesischer Synagogen-Gemeinden war der Vereins- Vorstand ersucht worden, „sich mit möglichster Beschleunigung auch an die jüdischen Gemeinden der anderen deutschen Provinzen und Bezirke zu wenden und diese zur Absendung von Telegirten nach Berlin behufs Anbahnung-umfassender Organisation der Abwehrthätigt'eit zu veranlassen." Dieser Aufforderung ist der Vorstand des Central-Vereins insoweit nachgekonnnen, als er zunächst sämmtliche Synagogen-Gemeinden der preußischen Provinzen Brandenburg, Sachsen, Pommern, Posen, Ost- und Westpreußen, sowie der Großherzogthümer Mecklenburg-Schwerin und Mecklenburg-Strelitz zur Beschickung einer auf den 2. Dezember d. I. anberaumten zweiten Delegirten-Versammlung eingeladen hat. Es ist zu erwarten, daß dieser Einladung zahlreich entsprochen und dadurch das Interesse, sowie das Berständniß für die Nothwendigkeit der „Selbstvertheidigung im vollen Lichte der Oeffentlichkeii" in immer weiteren Kreisen wachgerufen wird. Inzwischen mehrt sich bereits jetzt von Tag zu Tag fast in allen Gauen des deutschen Vaterlandes die Zahl Derer, welche die Bestrebungen des Central-Vereins anerkennen und sich bereit erklären, Mitkülnpfer für die bedrohten staatsbürgerlichen Rechte der deutschen Juden werden zu wollen. Ganze Synagogen-Gemeinden, wie z. B. Bielefeld, Rybnik, Marggrabowa u. A. m. haben sich dem Verein korporativ angeschlossen; in Städten, wo der Verein bisher noch gar keine oder nur einzelne Mitglieder zählte, z. B. in Frankfurt a. O., Gnesen, Thorn, Stargard, Swinemünde, Apolda, Namslau u. s. w. erfolgten neuerdings zahlreiche Beitrittserklärungen. In der großen Gemeinde Frankfurt a. M. giebt sich in neuester Zeit das erfreulichste Interesse für unsere Vereinssache in 19*