Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 5 (November 1895)
- Article
- Stargard i. Pom.
- Date
- 1895-11-01
- Page
- 266 (sequence 2)
- Language
- German
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266 Im deutschen Reich. keinem Juden, der sich gegen § 166 des Str.-G.-Buchs vergeht, als Entschuldigung dienen. O Zempelburg, 9. November. Die hiesige städtische Schuldeputation beschloß, die hier bestehende zweiklajsige, jüdische Volksschule mit der evangelischen Schule zu einer paritätischen Volksschule zu vereinigen und die Lehrer zu übernehmen. Goslar, 1. November. (Sinei* der eifrigsten Vorkämpfer des Antisemitismus in Goslar, der Briesmarkenhändler Otto Jacobs, hat sich in der Oker ertränkt, um der ihm wegen verschiedener Unterschlagungen drohenden Strafe zu entgehen. Köln, 1. November. Am 24. Oktober ist hier am Königplatz in der Neustadt der Grundstein 31t einer zweiten Synagoge gelegt worden. Der Baugrund wurde für 210 000 Mk. erworben, nachdem der Magistrat und die Stadtverordneten einen Kostenbeitrag von 40 000 Mk. bewilligt hatten. Der Einweihungsseier wohnten als Vertreter des Regierungspräsidenten, Herr Regierungsrath Wenkebach, als Beauftragte des Magistrats, die Herren Bürgermeister Pclmann und Stadtbaurath Heimann bei. (5 Frankfurt a. M., 25. November. Eine große Anzahl angesehener hiesiger Firmen veröffentlicht die nachstehende Erklärung: „In den letzten Tagen erschien hier in Frankfurt am Main ein vom Deutsche!: Verein veröffentlichtes „Deutschbund-Adreßbuch" für Frankfurt am Main. Dieser Verein hat eine große Anzahl Frankfurter Firmen in das Bach ausgenommen, ohne die Erlaubnis; der Betreffenden nachgesucht zu haben. Bei der ausgesprochen antisemitischen Tendenz desselben müssen wir gegen einen derartigen Mißbrauch unserer Firmen nachdrücklichst Einspruch erheben, und behalten wir uns weitere Schritte vor." Hoffentlich macht die Berliner Geschäftswelt in ähnlicher Weise energisch Front gegen den „unlauteren Wettbewerb", welchen die Gefolgschaft des bekannten „Kollektiv-Beleidigers" mit den „Deutschbund-Adreßbüchern" treibt. Es kann anständige christliche Geschäftsinhaber, denen es nicht entfernt in den Sinn kommt, ihre jüdischen Kunden zu beleidigen, doch nur anividern, wenn ihr geachteter Name wider ihren Willen zu dem antisemitischen Boykott-Unfug gemißbraucht und wenn ihre Auflehnung gegen solchen Mißbrauch mit höhnischen Randglossen begleitet miib! X Metz, 7. November. Dem „Lorrain" zufolge traf hier der Domherr Mortara aus Rom ein. Derselbe ist durch die 1858 an ihm gegen den Willen seiner Eltern vollzogene Taufe lange Zeit nahezu der Mittelpunkt des europäischen Interesses gewesen. Sein Aufenthalt in Metz aalt dem Vernehmen nach einer frommen Mission, die sich der besonderen Empfehlung des Papstes erfreuen soll.