Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 5 (November 1895)
- Article
- Wohlau
- Date
- 1895-11-01
- Page
- 264 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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264 Im deutschen Reich. Beziehung zu schädigen, haben sie denselben neuerdings dem Gericht angezeigt wegen Spielens in der Sächsischen Lotterie. Ein Herr, welcher mit Sch. g meinsam spielt, unterhielt sich während der Eisenbahnfahrt mit einem Beamten über diese Angelegenheit. Drei Juden hörten das Gespräch und erstarteten sofort Anzeige. Das Strafverfahren gegen Sch. ist dann auch bereits eingeleitet worden. Bravo! Israel, Du bist selbst der beste Streiter für den Antisemitismus." — Da hier von dem Vorfall Näheres nicht befannt war, erkundigten wir uns in Frankenstein und erfuhren von zuverlässiger Seite Folgendes: Das antisemitische Treiben deS früher bei dem Breslauer Hauptpostamt als Fahrpostassistent angestellten Herrn Paul Schulz, der 1892 von den Breslauer Antisemiten als Reichslagskandidat ausgestellt war, veranlagte die Versetzung dieses-Beamten nach Frankenstein. Dort gründete er einen deutsch-sozialen Reformverein, und entwickelte er eine solche agitatorische Thätigkeit, daß ihm der Fahrdienst entzogen und dadurch sein Einkommen geschmälert wurde. Ein jetzt in Berlin angestellter Postassistent K. hatte mit Sch. in der sächsischen Batterie gespielt, konnte aber von letzterem zunächst nicht seinen Antheil an dem auf das Loos gefallenen Gewinn erheben, trotzdem er seinen früheren Kollegen wiederholt schriftlich um die Auszahlung ersucht hatte. Er fuhr deshalb selbst nach Frankenstein und theilte unterwegs den Zweck dieser Reise im Eisenbahncoupö einem jüdischen Herrn mit, der ihn von früher her kannte. Wie später Herr K. mehreren christlichen Freunden erzählte und auch in jüdischen Kreisen bekannt wurde, erlangte er von Herrn Paul Schulz nur die Ausstellung eines Aeeepts über den Betrag des ihm zukommenden Gewinnantheils. Ein jüdischer Bürger Frankensteins fragte nun bei der dortigen Postdirektion an, ob sie die geschilderte Handlungsweise billige, worauf die Untersuchung gegen Schulz eingeleitet worden ist. — Cb dies ein Streiten für den Antisemitismus ist, welches Antisemiten zu bejubeln Grund haben, scheint uns recht zweifelhaft! Rordhausen, 24. November. In den „Drei Linden" hielt hier vorgestern Abend der antisemitische „Deutsche Verein" zu Ehren seines scheidenden Begründers, des Dr. Räuber, einen Abschiedskommers ab, bei welchem der derzeitige Vorsitzende Rittmeister a. D. Kruse erwähnte, das; Oe. Räuber schon vor Gründung des Deutschen Vereins Vertrauensmann der Nordhausener Ortsgruppe, der „Deutschen antisemitischen Vereinigung" zu Leipzig gewesen sei. Auch Räuber's Verdienste um den „Deutschsozialen Landesverband für Nordwest-Thüringen" würdigte der Redner und überreichte dann dem würdigen Antisemitenhäuptling einen Lorbeerkranz. Herr Dr. Räuber dankte, selbstverständlich in bewegten Worten, für die ihm entgegen gebrachte Ehrung und versprach, auch in seinem neuen Wirkungskreise der guten Sache ein allzeit treuer Vorkämpfer zu sein; es