Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1895)
- Article
- F. Löwenberg [Rezension]
- Date
- 1895-10-01
- Page
- 203 (sequence 2)
- Language
- German
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Bücherschau. 208 Wohl könnte man einzelne Gedichte besonders rühmend hervorheben, wie z. B. die wahrhaft ergreifende Klage des Greises, der seinen einzigen Sohn im Kampf für die Einigkeit Deutschlands hingegeben hat und nun täglich hören muß: Du bist kein Deutscher (Gedicht 4), oder die wirkungsvolle Ironie des 16. Gedichtes; aber kaum ein Gedicht wird den Leser unbefriedigt lassen. Sie alle haben Seele von unserer Seele, sie alle sagen in schöner Form, was jeder von uns gegenüber jener schmachvollen Bewegung fühlt und empfindet. «J. S. Walter Pohlmann. 1. Das Judenthum und sein Recht. 2. Das Judenthum und seine Feinde. 3. Jüdische Leiden. 4. Christen und Juden. (Heuser's Verlag in Neuwied.) Der Verfasser dieser 4 Broschüren ist dem größten Theile unserer Leser als treuer Bundesgenosse m dem uns aufgezwungenen Kampfe bekannt durch seinen Artikel in Nr. 1 dieser Zeitschrift „Im Deutschen Reich", wie durch den Vortrag über „Das Judenthum und die körperliche Arbeit", den er am 27. März 1894 in unserem Verein gehalten hat. In diesem Vorträge (im Druck erschienen bei Martzarrwitz, Berlin 1894) hat Pohlmann eines der häufigsten antisemitischen Schlagwörter, das von der Unlust und Unfähigkeit der Juden zu körperlicher Arbeit, herausgegriffen und an den thatsächlichen Verhältnissen nachgewiesen, wie diese Beschuldigung gleich vielen anderen nichts ist als Phrase. Schon vorher halte Pohlmann in den oben genannten 4 Broschüren es sich zur Aufgabe gemacht, zu zeigen, daß die antisemitische Bewegung nicht blos unchrisllich ist, sondern für das gesammte öffentliche Leben ernste Gefahren mit sich bringt. Besonders inhaltsreich und wichtig für die Beurtheilung der „Judenfrage" scheint mir die erste, „Das Judenthum und sein Recht". Pohlmann weift darin nach, daß es besondere „jüdische" Fehler nicht giebt, wie z. B. Wucher, Untreue und Betrug in Handel und Wandel sich von jeher und bei allen Völkern finden, wie im Mittelaller Städte, die die Juden vertrieben hatten, sie wieder zurückriefen, um sich Huste zu verschaffen gegen den Wucher der christlichen Kaufleute. Es wird ferner an der Hand amtlicher Aktenstücke, kaiserlicher Erlasse u. dgl. nachgewiesen, daß die deutschen Fürsten und der Kaiser durch ihre Gesetze die Juden zum Wucher gezwungen haben, daß, wenn es den Juden erlaubt war, 40 pCt. Zinsen zu nehmen, 35 davon an die verschiedenen Behörden als Schutzgelder, Leibzoll u. s. w. abzugeben waren und den Juden nur 5 pCt. blieben, freilich auch der Haß und die Verachtung der Ausgewucherten und allmählich der ganzen christlichen Bevölkerung. Pohlmann schließt diesen Abschnitt mit der Frage: Wer war da der Wucherer? War es der Jude oder die Behörde? — Mit Recht beklagt P. die mangelhafte oder vielmehr gänzlich ungenügende Kenntnitz der