Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 4 (Oktober 1895)
- Article
- Oels
- Date
- 1895-10-01
- Page
- 188 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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188 Im deutschen Reich. # Del-, 24. September. Bei der Reichslagswahl im Kreise Oels- Groß-Wartenberg, ist von Kardorff gleich im ersten Wahlgange, durchgedrungen. Er erhielt zwar 946 Stimmen weniger als im Jahre 1893, aber immerhin doch 7126 Stimmen. Der Antisemit Puchstein erhielt 3751, der Freisinnige Doormann 2274 und der Sozialdemokrat Gußmann 198 Stimmen. X Wohlan i. Schl., 1. Oktober. Bei der hier am 19. v. Mts. stattgehabten Kreiskonferenz fühlte sich durch einen von dem Lehrer D. gehaltenen Vortrag über „Die entsittlichende Wirkung der Thierquälerei" der Organist Schmidt veranlaßt, für ein Schächtverbot einzutreten und dabei die mit dem Thema kaum zusammenhängende Redewendung zu brauchen: „Es möchte gegen Israel etwas geschehen, denn das Volk ist uns schon zu stark." Dies rief entschiedenen Widerspruch und lebhafte Unruhe hervor, welche sich erst legte, nachdem der Leiter der Konferenz unter stürmischem Beifall erklärt hatte, daß es nicht Aufgabe der Versammlung sein könne, semitische, antisemitische und philosemitische Unterhaltungen zu führen, daß es jedoch zu wünschen wäre, das; nicht das Quälen der Thiere, sondern auch das der Menschen abgeschafft werden möge. ----- Naumburg a. S., 17. Oktober. Durch Beschluß des hiesigen Oberlandesgerichts ist die von der Staatsanwaltschaft gegen den antisemitischen Reichstagsabgeordneten Dr. Böckel wegen Beleidigung des Offiziersstandes erhobene Anklage dem Landgericht zu Halberstadt überwiesen worden, vor welchem die Verhandlung demnächst stattfindet. cP Halle a. S., 2. September. Dem aus Anlaß des 25 jährigen Gedenktages der Schlacht bei Sedan gestern in hiesiger Synagoge abgehaltenen Festgottesdienste wohnte der Stadtkommandant, Kommandeur des 36. Infanterie-Regiments Herr Oberst Boysen mit seinem Adjutanten bei. Sämmtliche jüdische Soldaten waren zu dem Gottesdienste besohlen. Bei der heutigen religiösen Feier auf dem Marktplätze war Herr Rabbiner Dr. Feßler als Vertreter der jüdischen Gemeinde anwesend. M Nordhausen, 18. Oktober. Der Kaufmann Joseph Goldschmidt, hier, hatte in einer Generalversammlung der Allgemeinen Ortskrankenkasse behauptet, daß der Kassenarzt, Kgl. Kreisphysikus des Kreises Ilfeld, Dr. Räuber, welcher seinen Wohnsitz in Nordhausen hat, und Führer der hiesigen Antisemiten ist, die antisemitische Agitation am Krankenbette getrieben habe, und wegen Vervreitens antisemitischer Traktätchen unter den Kassenmitgliedern auch schon vom Regierungspräsidenten zu Hildesheim scharf zurechtgewiesen sei. Das Gleiche hatte vorher schon der Kaufmann Th. Wolff in einer Volksversammlung im hiesigen Schützenhause öffentlich erklärt. Dr. Räuber strengte gegen beide sperren die Beleidigungsklage an; da aber der Wahrheitsbeweis geführt wurde,