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Im deutschen Reich · 1895-09-01 · Heft 3 (September 1895) · p. 140

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 3 (September 1895)
Article
München
Date
1895-09-01
Page
140 (sequence 2)
Language
German
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140 Im deutschen Reich. brüchen anläßlich der Nachricht, daß bei dem Amtsgerichte Ingolstadt der erste Jude, der Gerichtssekretär Silberschmied, eine Anstellung gefunden hat. 8 Heilbronn, 2. August. Der Redakteur der „Schwäbischen Reform" in Stuttgart, Fritz Bösenberg, hatte auf gestern Abend hier in den Aktiengarten eine Versammlung, einberufen. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Reichstagsabgeordneten Prof. vr. Paul Förster über das Thema: „Was will die schwäbische Reformpartei?" Im Saal hatten sich etwa 200 Personen, zum großen Theil Sozialdemokraten, eingefunden. Da das von Röhrle erbetene Wort zur Geschäftsordnung von Herrn Bösenberg. nicht ertheilt wurde, kam es zu stürmischen Scenen, so daß sich Bösenberg gezwungen sah, die Versammlung zu schließen. Nach einiger Zeit wurde eine neue Sitzung unter dem Vorsitz des Gerichtsraths Kittler eröffnet, welcher dem Professor Dr. Förster das Wort zu einer Ansprache ertheilte. Nun erklärte dieser, daß er darauf verzichten müsse, seinen Vortrag zu halten, zunächst aus Kollegialität für seinen Parteigenossen, der (durch die Verlesung eines Artikels des „Badischen Volksboten", in welchem Bösenberg des Meineids beschuldigt wird) beleidigt worden sei, ferner wegen des Verhaltens der Sozialdemokraten, er hoffe aber später wiederzukommen, denn er sei überzeugt, daß er Ehrenmänner vor sich habe, die er nicht weniger schätze, als Mitglieder seiner Pattei, . . . (Langanhaltender Tumult), vr. Förster (sehr laut): „Haben Sie etwas dagegen, für Ehrenmänner gehalten zu werden?" Ich werde wieder kommen, wenn . . . (erneuter Lärm), vr. Förster: „Sie haben heute Abend Recht." Darauf verläßt der Redner den Saal. — Als Gegenreferent beleuchtete nun Banquier Gumbel die Judenfrage und sagte u. A.: „Wenn ich hier das Wott ergreife zur Vertheidigung des Judenthums, so fällt es mir entfernt nicht ein, Alles bei uns Juden schön und gut zu finden. Insbesondere beklage ich es, daß wir zu den produktiven Klassen ein viel zu kleines Kontingent stellen. Aber woher kommt das? Sind wir Juden vielleicht von Natur faul und arbeitsscheu! Mit nichten! In Amsterdam giebt es Tausende von Diamantschleifern, geschickte Arbeiter — lauter Juden. In Rußland und Rumänien giebt es Hunderttausende jüdischer Handwerker. In Salonichi wird am Samstag kein Schiff ausgeladen, weil die Sackträger alle Juden sind. Und wer sind denn die armen Teufel, die im Osten Londons als Schneider und Schuhmacher sich mühen, denen die englischen Arbeiter zum Vorwurf machen, daß sie zu lange und zu billig arbeiten? Es sind lauter polnische Juden. Woher kommt es aber, daß wir deutsche Juden meist vom Handel leben? Dies kommt daher, daß man uns zu Händlern erzogen, daß man uns dazu gezüchtet hat. Die deutschen Gesetze der früheren Zeiten schlossen

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