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Im deutschen Reich · 1895-09-01 · Heft 3 (September 1895) · p. 139

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
1 (1895)
Issue
Heft 3 (September 1895)
Article
Leipzig
Date
1895-09-01
Page
139 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 189 die Arbeiter zur Ausführung des Boykotts aufgefordert hatten, nur wegen Beleidigung, nicht aber wegen groben Unfugs verurtheilt worden. Dagegen legte die Staatsanwaltschaft Revision ein, worauf das Reichsgericht das Urtheil aufhob und obige Entscheidung fällte. Unzweifelhaft wird nun auch das Reichsgericht die Boykottirung der jüdischen Geschäfte durch Vertheilung von Flugblättern des Inhalts: „Kauft nicht bei Juden" als „groben Unfug" ansehen! — Es kennzeichnet den SLoffmangel, an welchem die Antisemitenblätter leiden, daß sie in diesen Tagen begierig aus der „Chronik der christlichen Welt" vom 15. d. M. eine Geschichte übernahmen, die schon vor Monaten vom „Leipz. Tageblatt" als „Erfindung" bezeichnet worden ist. Es sollten nämlich in der am 29. März stattgehabten Sitzung der hiesigen Stadtverordnetenschaft vier Sozialdemokraten WO Mk. für die jüdische Gemeinde bewilligt, sämmtliche Beiträge für die christlichen Gemeinden aber abgelehnt haben. Thatsächlich haben die Sozialdemokraten ebenso wie die Antisemiten gegen die seit Jahren regelmäßig erfolgte Bewilligung der 600 Mk. gestimmt. / Brotterode, 15. August. Das gräßliche Brandunglück, welches unser friedliches Städtchen vernichtete, hat den Antisemiten Anlaß gegeben, nachstehende Hetzgeschichte zu verbreiten: „Wie die Hyänen des Schlachtfeldes haben sich die jüdischen Viehhändler eingefunden, um die Roth der Armen auszubeuten, die noch ein Stück sich aus den Flammen gerettet haben. Einer dieser dunklen Ehrenmänner bot für eine Kuh, die gewiß 240—280 Mk. werth ist, ganze — 60 Mk. Sollte man das wohl für möglich halten? Freilich hat der Bürgermeister den schmutzigen Gesellen das Handwerk gelegt; beim er hat ihnen den Handel mit Vieh einfach verboten. Recht so!" Nachdem der „Badische Volksbote" diese zuerst in der „Staatsbürger Zeitung" veröffentlichte Geschichte wörtlich abgedruckt hatte, wurde auf erfolgte Anfrage der „Neuen Badischen Landeszeitung" von hier aus der folgende amtliche Bescheid ertheilt: „Es ist hier nicht bekannt, daß gerade jüdische Händler die Nothlage der Abgebrannten haben ausnützen wollen, im Gegentheil haben die bekannten jüdischen Handelsleute den ihnen bekannten Nothleidenden angeboten, ihr Vieh unentgeltlich für den Winter in Futter zu nehmen. Von anderen Händlern sind allerdings so niedrige Gebote gestellt worden, daß von landrathsamtlicher Seite die Besitzer darauf aufmerksam gemacht wurden, daß sie das Vieh nicht verschleudern sollten, da für baldige Unterkunft und Futter gesorgt würde." □ München, 10. August. In den nächsten Tagen wird sich hier eine Studenten-Verbindung aufthun, welche dieselben Prinzipien wie die „Sprevia" in Berlin und die „Badenia" in Heidelberg vertreten soll. — Die bekannte Zeitung „Vaterland" eracht sich in ergötzlichen Wuthaus-

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