Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 3 (September 1895)
- Article
- München-Gladbach
- Date
- 1895-09-01
- Page
- 137 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 137 statt der Angabe des Namens jenes zweifelhaften Wurstfabrikanten sich mit den Angabe der Konfession desselben begnügte, hat deshalb hier sehr unangenehm berührt und den Blättern, welche jeden häßlichen Einzelfall verallgemeinern, einen nur zu ergiebigen Stoff geliefert. Dafür allein schon gebührt dem Wurstfabrikanten eine exemplarische Strafe! ** Mayen, 20. August. Da auch in Berliner antisemitischen Blättern (z. B. „Deutsches Volksrecht" Nr. 102 vom 3. Juli) eine unsere Gegend betreffende Notiz des „Coblenzer Volksfteund" abgedruckt wurde, sei Folgendes mitgetheilt. Jener Bericht lautete: „Eine Bauersfrau aus der Umgegend von Mayen bot einem Juden ein Rindchen mit der Erklärung an, sie müsse dasselbe verkaufen, weil sie 15 Thaler zu bezahlen habe. Der Jude sagte ihr jedoch: „Das haben Sie nicht nothwendig, ich gebe Ihnen die 15 Thaler; Sie füttern das Vieh ruhig weiter und wenn es dann verkauft wird, geben Sie mir die 15 Thaler zurück und den Ueberschuß theilen wir." Die Frau zog mit bestem Dank von dannen. Nach 3 Monaten wurde das zu einem Rind gewordene Vieh verkauft, natürlich bekam es unser gefälliger Jude. Er schätzte es auf 36 Thaler und lautete die Rechnung wie folgt: „Von den 36 Thalern bekam der „edle semitische Menschenfreund" erst seine 15 Thaler und vom verbleibenden Rest von 21 Thalern noch IO*/» Thaler, macht einen Zinsfuß von 280 pCt. Der Jude hatte kaum einen Finger gerührt und 10l/2 Thaler verdient, die armen Bauersleute hatten das Vieh ein Vierteljahr lang gefüttert und bekamen vielleicht 5 Thaler mehr, als sie vor einem Vierteljahr erhalten hätten; denn das Rindchen war damals mehr wie 15 Thaler werth. Hier haben unsere Herren Judenfteunde ein Beispiel, was das für ein „Fleiß" ist, womit die Juden ihr Vermögen großentheils erwerben. Der Jude ist als bettelarmer Geisenjude gekommen, ist heute Hausbesitzer und wird sein Vermögen auf eine halbe Million geschätzt. Die armen Bauern, die in solche Hände fallen, müssen natürlich verarmen." Diese Geschichte ist unzweifelhaft erfunden, denn weder in Mayen noch in der Umgegend ist von einem solchen Vorkommnih etwas bekannt, was zweifellos der Fall sein würde, wenn sich hier Aehnliches ereignet hätte. Sämmtliche jüdische Handelsleute leben in hiesiger Gegend in solchen Verhältnissen, daß sie froh sind, wenn sie nicht in Schulden gerathen; eine Uebervortheilung ihrer Mitbürger ist ihnen niemals nachgewiesen worden, weshalb sie bei letzteren wohlgelitten sind. In ganz Mayen wohnt kein Viehhändler, dessen Vermögen axtf 50 000 Mark, geschweige denn „auf eine halbe Million geschätzt würde". Könnte man nicht gegen Blätter, welche solche Unwahrheiten verbreiten, wegen Aufreizung Strafantrag stellen? (Anmerkung der Redaktion: Unzweifelhaft ist der ganze Bericht nur die Aufwärmung eines jener uralten Märchen, von denen das Wort gilt: „Was sich nie und nirgend hat begeben, das allein veraltet nie!")