Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 3 (September 1895)
- Article
- Berlin
- Date
- 1895-09-01
- Page
- 135 (sequence 1)
- Language
- German
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135 Korrespondenzen. * Berlin, 5. September. Bekanntlich hatte das Kgl. Provinzial- Schulkollegium am 16. d. I. an die städtische Schuldeputation eine Verfügung erlassen, worin zwar die Vokation der jüdischen Gemeindeschul- Lehrerin Neugast pure bestätigt, jedoch zugleich angeordnet worden ist, daß in Zukunft jüdische Gemeindelehrerinnen hauptsächlich nur für den jüdischen Religionsunterricht in den hiesigen Gemeindeschulen angestellt werden sollen. Die städtische Schuldeputalion, welche sich gestern unter Vorsitz des Bürgermeisters Kirschner mit dieser Angelegenheit beschäftigte, beschloß, dem Magistrat zu empfehlen, gegen die Verfügung beim Unterrichtsminister Einspruch zu erheben. — Wenn der im „Vorwärts" veröffentlichte, angeblich der Hammerstein'schen Satteltafche entnommene Brief Stöckers an einen alten Konservativen sich als echt erweisen sollte, wäre es nicht länger zu bestreiten, daß der „Vater des Antisemitismus" aus den Sturz Bismarck's hingearbeitet hat, was bisher beharrlich geleugnet worden ist. tz Breslau, 20. August. Gegen den hiesigen antisemitischen Verlagsbuchhändler Robert Schneeweiß ist die Anklage wegen Betruges, Unterschlagung, Hehlerei rc. erhoben worden. c? Oppeln, 26. August. Der Rabbiner Dr. A. Wiener ist hier heute im 84. Lebensjahre sanft verschieden. Der Entschlafelle hat vier Jahrzehnte in Oppeln als Rabbiner gewirkt und an den Rabbiner- Konferenzen in Cassel und Leipzig theilgenommen. An seinem 80. Geburtstage wurde ihm der Ehrenbürgerbrief der Stadt Oppeln überreicht. Dr. Wiener hat sich bald nach der Begründung des Central-Vereins dem* selben angeschlossen und unsere Bestrebungen mit Wärme gefördert. Jauer, 17. August. Der hiesige Lackirer Krause hatte in Folge eines ihn beleidigenden Angriffs des hiesigen Antisemitenführers Sch löste in dessen Organ, der „Jauer'schen Rundschau", im „Jauer'schen Stadtblatt" am 17. Februar d. I. die Lohnverhältnisse in der Wagenfabrik Schloske's geschildert. Daraufhin verklagte Schloske sowohl Krause als den verantwortlichen Redakteur des Stadtblattes, Hermann Buresch, wegen Geschäftsschädigung. Schloske betonte in der Klage, daß Krause ihn mit Ahlwardt, Böckel, Bantsch, v. Mosch, Bodeck und Leuß aus eine Stufe gestellt hätte. Die Klage lvurde vom Schöffengericht kostenpflichtig ab-