Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 1 (1895)
- Issue
- Heft 2 (August 1895)
- Article
- Straßburg i. E.
- Date
- 1895-08-01
- Page
- 92 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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92 3m deutschen Reich. punkte der Stadt im Werthe von 300 000 Mk. ohne jede Entschädigung für den Synagogenbau überlassen. Der Letztere dürfte etwa 75-0 000 Mk. kosten, weil derselbe, der Lage entsprechend, vornehm gestaltet werden soll. Da die Straßburger Kultusgemeinde außer Stand war, eine solche Summe aufzubringen, bewilligten zu diesem Zwecke Stadtverwaltung und Gemeinderath eine Subvention von 200 000 Mk. Die betreffenden Beschlüsse sind sowohl in der Gemeinderaths-Kommission wie im Plenum e i n st i m m i g gefaßt worden. Der Korrespondent der „Deutschen Wacht", welcher das Verhalten der hiesigen städtischen Behörden bemängelt und hinzusetzt, ein hoher Regierungsbeamter, mit dein er diese Sache besprochen, habe gesagt: „Wir haben Wichtigeres zu thun, als uns mit den Juden zu beschäftigen," scheint selbst nichts Besseres zu thun zu haben. Q. .Heidelberg, 22. Juni. Der hiei. erscheinende „Badische Volksbote" veröffentlicht einen Brief aus Schlesien, welcher die heftigsten Ausfälle gegen den berühmten Schriftsteller Felix Dahn enthält. Darin wird u. A. gesagt: „In einer Erklärung in der Nr. 102 der „Schles. Ztg." (Dienstag, den 10. Juni) heißt es wörtlich: Mehrere Wiener und Berliner Zeitungen drucken ein Gedicht von mir: „Gruß an Deutsch-Oesterreich" ab, mit dem Zusatz: „zu den antisemitischen Wahlsiegen in Wien." Dieser Zusatz ist eine freche Lüge. (Dies ist fettgedruckt!) Das Gedicht, ist vor etwa! 2 Jahren in Königsberg entstanden, danach schon gedruckt und nun 1892 in der V. Sammlung meiner Gedichte wieder abgedruckt. Es enthält durchaus keine Beziehung auf Juden. Breslau, den LI. Juni 1895. Felix Dahn. Es ist eine merkwürdige Erscheinung und mir nur durch die humanistische Zugluft, in der sie leben und lebten, erklärlich, daß so nmncher unserer Dichter und Schriftsteller so urdeutseh schreiben und so undeutsch im öffentlichen Leben handeln konnte und kann, cfr. Freytag und Dahn." — Wer nicht von Vorurtheilen befangen ist, wie der Redakteur des antisemitischen „Bad. Volksboten" und sein schlesischer Korrespondent, hat Respekt vor Männern nnc Freytag und Dahn und weiß, daß es urdeutsch unb nicht undeutsch ist, die deutschen Staatsbürger jüdischen Oyiaubenö gerecht zu beurteilen und die Gemeinschaft mit deren fanatischen Gegnern abzulehnen. ** Prag, 20. Juni. Das Bedürfnis; eines wirksamen Rechtsschutzes gegen gesetzwidrige Angriffe auf Juden und das Judenthum wird hier wie anderwärts empfunden. Die hier versammelten Vertreter von 37 israelitischen Kultusgemeinden Böhmens beschlossen vor einigen Tagen die Gründung eines „ i s r a e l i t i s ch e n G e m eind e b u ndeü " mit dem Sitze in Prag, welcher religiöse, politische und nationale Fragen unerörtert lassen wird, beide Landessprachen als gleichberechtigt anerkennt und seine Thätigkeit auf einen w i r k s a m e n R c chtüs ch u tz, sowie