Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 2 Bd. 2 H. (1809)
- Article
- Enstellung wahrer Frömmigkeit
- Date
- 1809-01-01
- Page
- Seite 134 (sequence 2)
- Language
- German
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»34 den Augen der Well Ehre und Ruhm giebt. Er kennt -die geheimsten meiner Handlungen und die leisesten meiner Gedanken: mein ganzes Leben liegt vor ihm ausgcbrciret» wie ein Mantel. Sollte ich da nicht erschrecken und bange scyn vor dem Anblick des Allmächtigen? Wenn er nun da sieht in seiner himmlischen Pracht und Herrlichkeit, umgeben von de» Engeln seiner Macht und von den heiligen Vätern Abraham» Isaak und Jakob — so rein und fleckenlos von aller Sünde, so göttlich groß und unbegreiflich dem menschlichen Verstände: und ich siche mm vor ihm, ein schwaches sündiges Wesen, behaftet mit tausend Fehlern und Gebrechen, mit dem niederschmetternden Dcwußrscyn, so manches Gute unterlassen, so manches Böse gelhan, so manches Unlautere in meinem Herzen gehegt zu haben — o sagt mir, meine Freunde und Schüler, ob ich da freudig und getrost seyn kann? oder ob ich nicht vielmehr mir zitterndem und zagendem Herzen zu Gott anfblickcn muß?" EcincSchüler fühlten die Wahrheit seiner Rede, so überzeugtste auch von der Redlichkeit seines Herzens und von der RcchtliMcit seines znrückgelegten Lebens waren. Cie baten ihn noch zuletzt um seinen Segen und der Rabbi sprach: „Gott gebe, daß ihr euch vor Niemand fürchtet, als nur vor dem Ewigen und ihn höher achtet als alle Menschen und alle Güter der Erde. 'Wenn ihr immer in feinem Lichte wandelt, so wird eie euch Gnade verleihen in der Stunde des Todes und Barmherzigkeit vor seinem Thron." Wer erkennt hier nicht die Stimme eines frommen, redlichen Mannes, der bei würdigen und reinen Begriffen