Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 2 Bd. 1 H. (1809)
- Article
- Über Literatur der Israeliten in den kaiserl. österreichischen Staaten im letzen Decenio des achtzehnten Jahrhunderts
- Date
- 1809-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 16)
- Language
- German
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57 theils die Krankheit vergrößert, theils die Genesung verzögcrt. Hier muß Einf.ndcr dieses Aufsatzes;nr Ehrenrcttung der deutschen Iudcn bemerken, daß der Hr. Dcrsasser bei seinen aufgefaßten Bemerkungen bloß die Israeliten . in Polen zum Augenmerk gehabt haben mag, da bei den deutschen Juden die wenigsten der hier gerügten abcrglau« bischen rnid vorurtheiloollen Gebrauche bekannt sind. So erzählt der Verfasser z. B., der kranke polnische Jude glaubt durch Veränderung des Orts ־שנוי geheilt zu werden, und laßt zu diesem Dehufe sich von einem Zimmcr, oder auf das wenigste von einem Dcktc in das andcrc tragen, und was dergleichen abergläubische Mittel mehr sind, von denen der deutsche Israelit« nichts weiß oder besser, nicht darauf achtet. Im;weiten Abschnitte handelt der Verfasser von der schleunigen und folglich ge» fahrvollen Beerdigung der Tobten bei dieser Nation, und muntert sie auf, den höchsten Befehl der Regierung, ihre Tobten 48 Stunden über der Erde;u behalten, genau zu befolgen. Der Hr. Verfasser, bekannt mit dem Geiste des Pöbels dieser Nation, dem Dcrnunftgründe allein, so bündig und kräftig sic immer auch seyn mögen, über ein» gewnrzelte Vorurrhcile die Auge» zu öffnen nicht im Stande sind, erhärtet seine Satze mit sehr vielen und gründlichen Beweisstellen aus der Bibel, aus dem Talmud, aus der Kabbala, aus Maimonidcs und anderenjüdischen Schrift» sicllcrn, die er sainmtlich sowohl im Urtexte als auch in deutscher Uebcrsctzung anführt, und welche von einer se!» tcncn Bekanntschaft mit der jüdischen Literatur zeigen, mit der so mancher Rabbi sich brüsten würde.