Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 1 Bd. 5 H. (1808)
- Article
- Französische Literatur
- Date
- 1808-01-01
- Page
- Seite 333 (sequence 14)
- Language
- German
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335 für das ganze Menschengeschlecht. Nachdem sie ei» solches unbarmherzige Schicksal getrosten hat, will man ihnen La» stcr aufbürden, die eben dieses Schicksal zuwegcgebracht hat. Nachdem man sie während!8 hundert Jahren mit Schmach überhäuft hat, will man cs ihnen zum Vorwurf machen, daß viele für dicftlbc abgestumpft sind. Nachdem man ihnen in mehreren Staaten alle Mittel sich durch Wissen» schäften und Kunststeiß eine Karriere vorzuzeichnen, abzc» schnitten hat, ftl-HLert man sie als eine Mcnschcnklasse, die durch ihre Niedrigkeit, Trägheit, Nutzenlos,gkeit zur Last geworden ist l Durch den geringsten Ausdruck unftrs Unwillens darüber werden wir als ein ansgeartctes Volk betrachtet. Solche Acußerungcn einer lächerlichen Ohn» macht sind vielleicht oft in dem Munde der ungebildeten Menge; doch nie, wie häufige Beispiele lehren, in unserem Herzen. Seit der Epoche, wo die Strahlen der Philosophie angefangen haben, Europa zu beleuchten, opfern unsere Gegner nns ihrer Nache nicht mchr.Man sieht nicht mehr, daß man Juden, weil sic sich mnrhig widerstreben, sich unter dem Joche der Unduldsamkeit;» beugen, zum Scheiterhaufen mit barbarischem Pompe schleppt. Obgleich diese grau» sanicn Zeiten weit von uns und aus den Herzen der Monarchcn verschwunden sind, so haben Vorurrheile und Sklaverei doch noch kein Ende genommen. Sollte unS nicht vielmehr die edle Beständigkeit, mir der wir und un» serc Voreltern den Glauben unserer Väter verlheidigt ha» den, eher noch Bewunderung als Verfolgung zugezogea haben? denn wir allein wußten allen Martern und Todes»