Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Zweiter Jahrgang 1808-1809
- Issue
- 1 Bd. 3 H. (1808)
- Article
- Aus Baiern [Nachricht]
- Date
- 1808-01-01
- Page
- Seite 190 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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jyo re» «im dem Geiste des Zeitalters angemessene Denkart hegten» mit den Christen im eleganten Anzüge und Umgänge gleichen Schritt. Auch trugen sic kein Bedenken, mit runden Hüten und Stiefeln die Synagoge zu betreten, oder die sonst gewöhnliche schwarze Farbe im Anzüge mit den herrschenden Modefarben z» verwechseln. Ließ alles hatte bisher, wie cs schien, kein Aufsehen erregt. Aber am letzten Osterfeste ließ der Rabbiner diese scheinbaren Freigeister mit Nanquinbcinkleidcrn, Stiefeln und runden Hüten bei Errheilung des allgemeinen Scgcns vorübcrgehen, ohne sie dieses Glückes thcilhafrig zu machen. Diese Verdammten wendeten sich nun an die Königl. baicrische Landcedircktion und baren sowohl um Ecnugthunng, als auch um Abschaffung verschiedener Mißbrauche. Der Königl. Pvlizrydirektion gieng hierauf die Weisung zu, die dem Geiste der Zeit und den Grundsätzen der liberalen Regierung Baicrns gemäßen Verfügungen zu treffen. Aber was geschah? Wider alles Vermukhcn las der Schulklopfcr in Anwesenheit eines Polize;offiz:antcn und Polizcisoldatcn den Befehl der Königlichen Polizeidircktion öffentlich ab: »daß es künftig keinem vcrhcurathctcn Juden mehr erlaubt seyn sollte, sich an halben Feiertag'" den Bart abnehmen zu lassen, noch am Eabbache mit Stiefeln, rundem Hute rc. in der Synagoge zu erscheinen, wofern er sich nicht die schärfste Ahndung zuziehcn wolle." Die bcthciligten Individuen verlangten sogleich eine legale Abschrift dieser im Jahre iZo? merkwürdigen Verordnung, welche ihnen aber abgeschlagen ward. Hierauf wendeten sie sich von Neuem an die aller- 'höchste Stelle, und man sicher dem Ausgang begierig entgegen.