Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band sechstes Heft
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 416 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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416 Reisenden, so bald von Juden die Rede ist, allgemein und ohne Ausnahme ihnen alles Gute abgesprochen wird und nur die Schattenseiten gezeigt werden. Wie konnte der Reisende bei einem bloßen „Anblick" d«w auf- und abgehenden jungen Männer sogleich ein so allgemeines Verdammungsurcheil aussprechen ohne sie naher zu kennen? Wie viele edle und gebildete junge Männer giebt es wohl umer den Juden in Posen und wie bedeutend sind die Fortschritte in deren Bildung, seitdem die dortigen Juden unter der preußischen Regierung Mittel fanden, ihre Kinder zeitgemäßer zu erziehen! Doch soll damit keineswegs gesagt sein, daß die Bemerkung des Verfassers nicht aus irgend einen Th eil dieser jungen Männer etwa Anwendung finden könne, welches wir um so weniger bestreiten wollen, als wir noch nicht in Posen waren. Bis jetzt kennen wir indeß gebildete junge Männer von dort, von denen mehrere deutsche Schuten — z. B. auch die Franzschule in Deßau,' mit, bestem Erfolge frequentirt haben. Sonderbar ist es jedenfalls, daß. auch dieser Reisende es sich nicht zu erklären vermag, ,,wie diese ungeheure Judenmasse hieher (nach Polen) gekommen," und er erst die von „Kohl" angegebene Ursache als Kommentar benutzen muß, da doch die Antwort sehr einfach ist. Die vielen Juden gingen nämlich nach Polen, als man sie grausamer Weise und aus fanatischen und habsüchtigen Gründen aus Deutschland u. s. f. vertrieben hatte und sie in Polen eine menschenfreundliche Aufnahme fanden. Sie gingen späterhin nicht zurück, weil man keinen fremden Juden, wie noch heutigen Tages in Deutschland, wenigstens nicht ohne sehr weitläuftige Umstände, als Unterthan aufnimmt. Aus der Schilderung dieses christlichen Reisenden, besonders aus dem judenfeindlichen Schluß derselben, geht übrigens deutlich hervor, daß er von Vorurtheilen gegen die Juden keineswegs frei sei, und die Emancipation der letztern nicht-wünscht. Gleichwohl muß er bei der Schilderung des in der That sehr tadelnswerthen „gewaltsamen Eindringens jüdischer Handelsleute und Faktoren in die Zimmer der Reisenden in' den Gasthöfen," „den sogenannten Faktoren die Gerechtigkeit widerfahren lassen, daß sie ihres Patrons, selbst gegen , ihre eigenen Glaubensgenossen, sich redlich annehmen und überall seinen Vortheil im Auge haben, weshalb jedem Reisenden zu rächen sei, sich überall in Polen alsbald nach einem jüdischen Faktoren umzusehen', und in der Regel hat jeder Gasthof seinen dienstthuenden verläßlichen Faktor, der im Hause selbst wohnt."