Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band sechstes Heft
- Article
- Posen [Nachricht]
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 410 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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410 Bor Allen beklagen seinen Tod die hiesigen Juden, die aber auch seinem Andenken ein Ehrendenkmal gesetzt habenwodurch sie sich selbst nicht .minder ehren als den Verblichenen. Als nämsich vor einer Reihe ׳von Jahren eine jüdische Waisenanstalt gestiftet werden sollte und die unter den Israeliten gesammelten Fonds nicht hinzureichen schienen, steuerte der Frhr. v. Kottwitz 36,000 Fl. bei und unterstützte außerdem das Institut bis zu seinem Tode auf das freigebigste. Deshalb folgte auch' nicht bloß die ganze jüdische Corporation - seiner Leiche, sondern sie faßte den Beschluß: daß das Bildniß des edlen christlichen Menschenfreundes in dem Hauptsaale der Anstalt ausgestellt werden; daß nach einem von dem Oberrabbiner eigens angeordneten Ri- Lual ein 30tagiger Trauergottesdienst gehalten׳, und am Todestage des Verblichenen alljährlich ein Tauerfest gefeiert werden solle. Wahrlich, ein Denkmal, besser als von Erz oder Marmor!" — (Leipziger Allgem. Zeit.) In Berlin starb vor Kurzem der Herr Kapi(am Heinrich Meyer, (jüd. Religion) aus Deßau gebürtig, welcher mehrere Jahre den Krieg in Südamerika, (wenn wir nicht irren, unter Bolivar) mitwachte, sich im Kriege rühmlich auszeichnete, und in Caracas, wo er bedeutende Besitzungen hinterließ, sich allgemeine Achtung erworben. In seinem Testamente vermachte er den Armen in seiner Vaterstadt Deßau, ohne Unterschied der Religion, 3362 Thaler, welche durch seinen Bruder, Herrn Banquier Martin Meyer in Berlin, dem. Stadtrathe zu Deßau dereits ausgezahtt worden sind. Diese Behörde hat hierauf im Deßauer ״Wochenblatts" es lobend und dankend angezeigt, und sie wird dabei die zweckmäßigste Einrichtung zum Besten der bedürft tigen Christen und Juden in Deßau treffen. In Saarlouis saß kürzlich in einem elenden Stübchen eine arme jüdische Familienmutter mit ihrem Säuglinge an der Brust vor dem Ofen,, und schlief׳ ein. Als sie ein anderes Kind in der Stube aus dem Liefen ׳Schlafe mit dem Rufe: ״Mutter! Mutter! Dein Kleid brennt," aufrüttelte, erhob sich ,die Unglückliche, warf das Kind auf das Bett, lief brennend zu den christ- Lichen Hausgenossen auf den Flur und bat sie, ihr zu helfen; sie stand vollends in Flammen! Doch sie retteten die Jüdin