Mannheim
Compact Memory

Sulamith · 1834-01-01 · Achter Jahrgang zweiter Band fünftes Heft · p. Seite 323

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Sulamith
Volume
Achter Jahrgang (1834-1843)
Issue
Achter Jahrgang zweiter Band fünftes Heft
Article
[Nachricht]
Date
1834-01-01
Page
Seite 323 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2304627-2304643-2304645-10852112--09712-2313698
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

323 standen, ja die Schwärmer rühmen sogar, gleich nach der Zerstörung des Tempels zu Jerusalem hätten die Engel (?) den Bau der Altneusynagoge zu Prag begonnen , welche freilich als ein fd>Xed>tet @cfag an^ufef)en wäre. - Einen ähnlichen historischen )llterthumsruhm sprechen manche Juden ihrem alten Friedhofe zu, indem sie ihn schon hunoert Jahre vor der Erbauung Prags lassen vorhanden sein. Schauerlich ruht das Geheimniß der Jahrhunderte auf der weiten öden Stätte. ' Ein unglaublich dichter Wald von Grabmälern bedeckt sie gleichsam buchstäblich mit einer versteinerten Vergangenheit des Unglücklichsten Volkes der Erde , und in mancher Gestalt erhebt sich über ihr die geflügelte Sage in die Tage der Gegenwart hinein. Mein freundlicher Cicerone Klutschak zeigte mir unter manchen ausgezeichneten Gräbern auch das des berühmten Rabbi Low in diesem ״Hause des Lebens" ( Beth Chajim ), wie die Juden ihren Friedhof nennen. Es ist ein herrlichgearbeiteter tempelartiger Sarkophag, an einem eingemeißelten Löwen erkennbar. Hier verschläft der ״hohe Löw," wie dieser jüdische Gelehrte auch genannt wurde, den Drück seines Glaubens im 17. Jahrhundert, ungeachtet dessen er doch den kräftigen Geist zu einem Glaüze der Wissenschaft emporrangder ihm selbst einen Besuch des Kaisers Rudolph II. verschaffte. Zu beiden Seiten des Grabmals stehen in langer Reihe die Leichensteine von drei und dreißig seiner Lieblingsschäler," In einem Beitrage ״B r ü sse Ux Brie fe" betitelt, geschah vor einigen Jahren im Marg e nb l a tt auch der dortigen Juden Erwähnung, besonders bei Gelegenheit der Schilderung der ״grande kerinesse“ in Brüssel, welche dort alljährlich gefeiert wird, und es heißt wie folgt: ״ Aber durch alle diese fröhlichen Haufen, durch die Gebete wie durch den Jubel dieser festlichen Stadt, tönt sin Schrei des Wehs, ein Ton der Klage, der Anklage. Denn diese Freuden wachsen aus dem Boden der Barbarei, diese friedlichen grünen Zweige feiern die Erinnerung an fanatisch vergossenes Blutt La gramle Kermesse, wozu sich Brüssel schmückt und Wochen lang vorbereitet, feiert kein cmderes Ereigniß, als das von lausend Menschenopfern. Die Geschichte ist kurz. Ein Jude f o l t eine Hostie gestohlen haben, und die ganze Judenschaft von Brabant besteigt den Scheiterhaufen, Mütter, Kinder und Greise. Dieses schöne und fröhliche Ereigniß feiert noch nach Verlauf .von 400 Jahren die gute Stadt Brüssel,

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.