Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band drittes Heft
- Article
- Curiosum [Nachricht]
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 197 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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197 Curiv fum. Chevreu sogt in seiner Weltgeschichte/ daß die Welt am 6. September, an einem Freitage, um 4| Uhr Nachmittags erschaffen worden sei. Als etwas Schreckliches wird das besondere Stadtviertel, der jüdische Kasimirz. in Krakau, in einer neuen Schrift eines christlichen -Schriftstellers (Herrn Mundt) geschildert. /. . >rT- —- „Die Genügsamkeit dieser armen polnischen Juden," heißt es unter Anderm, „ist überhaupt, merkwürdig. Biele enthalten sich, oft Wochen lang, ganz und gar aller festem Speise , und Manche giebt es,, die in mehreren Monaten nichts als Milch und etwas Brod genießen. Ein nicht unwesentlicher Theil der hiesigen Judenschaft besteht aus der Sette der, Chassidim, die einen eigenthümlichen mystischen Charakter haben, und sowohl durch ihre .strengen orthodoxen Grundsätze als durch ihr Fasten sich auszeichnen. Aber auch jeder andere Jude führt in der Regel eine mäßige Lebensweise, die in Erstaunen setzen muß. Im Handel und Wandel lauft er den ganzen Tag umher, und macht im Angstschweiß des geringfügigsten Erwerbes den weiten Weg von Kasi'mirz bis in die Stadt wohl zwanzig Mal hin und zurück, um wenige polnische Groschen zu gewinnen, oder er bedient als Faktor die in der Stadt sich aushaltenden Fremden u. f. w. Hat sich der Jude den Tag über zu allem Möglichen brauchen lassen, für wenig Geld und unter der schmählichsten Behandlung, ohne gegessen und getrunken zu haben, dann schleicht, er sich Abends spät todtmüde in sein jüdisches Stadtviertel zurück, um im Schmutz seiner niedrigen Behausung ein Stück trockenes Brod zu verzehren , sein einziges Labsal. So entbehrt dieses unglücklichste aller menschlichen Geschöpfe fast jeden Lebensgenuß, und hat nichts als seinen Glauben, um dessentwillen er ausgestoßen ist, und an den er sich mit um so größerer Inbrunst immer unzertrennlicher anklammert. Der Charakter dieser Juden hat scheinbar etwas Gutartiges, und sie antworten den Christen, welche oft aus Neugierde und Spottlust durch-ihre Gassen ziehen, freundlich und bereitwillig auf alle Fragen, welche sie und ihre Gebräuche betreffen, obwohl mit einem Tone wehmüthiger .Resignation, der auch dem gemeinsten und verworfensten Juden dort eigen ist. Der schwermüthige, leidende Zug, den sie alle an sich tragen, giebt ihren oft so schön geformten Gesichtern einen besonders edlen Ausdruck, und mischtsich mit der Klugheit, wel- 1Ä