Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- Achter Jahrgang (1834-1843)
- Issue
- Achter Jahrgang zweiter Band erstes Heft
- Article
- [Nachricht]
- Date
- 1834-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Herren von Gleißen darunter, und der jetzige Eigsnthümer wollte ihre Ruhestätte nicht zerstören, nichtentweihen. (Ganz im Geiste der Israelitischen Religion und so-wie jedem--Israeliten, bei der ihm inwohnenden heiligen Scheu, die Gräber der Verstorbenen heilig und unantastbar sind, die zu keinem andern Zwecke irgend benutzt werden dürfen. D. H.). Er ließ deshalb ein Mausoläum, in jenem ernstheitern, pompejanischen Baustyle über der Gruft errichten, und die Todten haben nun die Veränderung nicht zu beklagen. Man erblickt hier die darin aufgehangten Wappen und Portraits der längstverstorbenen Ritter. In Harnischen und Perücken haben sie sich malen lassen, das ist ganz gut, denn Formenwesen und Tapferkeit charakterisiren sie am Besten. — Wundersame Eapricen übt die Weltgeschichte aus. Gewiß haben jene stolzen Herren zur Zeit ihres Glanzes die Juden verachtet, verfolgt, und jetzt ist es ein Jude, der ihre Asche schont, daß sie nicht in alle Winde verstreut wird u. s. w. Sechs Jahre lang wurde an der neuen Kirche gebaut, und nun erblickt man sie in schöner Vollendung. Sie steht in der Mitte des Dorfes auf einer kleinen Insel, von Blumen- und Straucharten umgeben u. s. w. und über dem Eingänge steht die Inschrift: Dieses Gotteshaus erbaute seiner christlichen Gemeinde im Jahre 1637 der zeitige Israelitische Besitzer des Rittergutes Gleißen, Jsraell Moses Herr och." Es ist doch schon eine lichte, fröhliche Zeit, wo der Jude seine Abkunft nicht mehr ängstlich verhüllt, wo er sie offen bekennt auf einer christlichen Kirche, die er selbst errichten ließ. Mancher feinfühlende Ehrist wird beschämt die Augen Niederschlagen, wenn er jene Worte lies'L und bedenkt, daß die Juden noch immer nicht emancipirt sind. Sollten aber Fürsten oder Völker sie emancipiren wollen, so ist es die höchste Zeit, denn sonst wachsen sie der Emancipation über den Kopf. Ich hoffe auch gar nichts von dieser vielersehnten Emancipation, ja! ich wünsche sie nicht einmal, denn die Juden sind jetzt, ohne Stütze, ohne Haltpunkt dastehend, angewiesen auf ein fortwährendes Streben und Ringen. Das schützt sie vor dem farblosen Jndifferentismus, vor der bleichen Mittelmäßigkeit, und erhalt sich dadurch eine gewisse Frische in dieser Nation. Deshalb eben fürchte ich die Emancipation, weil ich glaube, sie wird diese selbstständige Thatkrast verwischen, sie wird das Volk, das jetzt so muthig nach intellectueller Freiheit ringt, in den Psul dumpfer Stabilität hinabziehen. (In Landern, wie Kurhessen u. a. lehrt die Erfahrung bereits das Gegentheil.)