Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 7 (1825-1833)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der hebräische Brief an Mendelssohn
- Date
- 1825-01-01
- Page
- Seite 284 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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284 Der hebräische Brief an Mendelssohn Zur Zeit, als Mendelssohn feinen Phädon herausgab, erhielt er über dieses Werk von mehreren Orten her sehr schmeichelhafte Schreiben,- unter andern aber auch einen hebräischen Brief von einem alten Lands« mann und Schulkameraden. So sehr nun unser Mendclssohn der hebräischen Sprache gewachsen war, so war es ihm doch durchaus nicht möglich, auch nur eine gesunde Idee aus dem Briefe herauszubringen. Da mehrere Male das Wort Unsterblichkeit darin vorkam, so schien es, als habe der Verfasser dieses Briefes etwas gegen den Phädon cinzuwenden. Dessenungeachtet antwortete Mendelssohn, seiner Gewohnheit nach, sehr bescheiden: er habe zeither die hebräische Sprache vernachläßigt, der Brief sei ihm daher nicht verständlich, der Freund möge sich, und zwar in deutscher Sprache, deutlicher ausdrücken; denn wie es scheine, habe jener etwas gegen sein Kind, den Phä- Von cinzuwenden, und dcßhalb wünsche er Belehrung. Einige Posttage darauf erhielt Mendelssohn eine jüdisch - deutsch geschriebene Antwort, des Inhalts: ״Wie sind Sic auf den Gedanken gekommen, daß ich gegen ihr Kind etwas hatte, ich wußte nicht ein Mal, daß Sie ein Kind haben, noch weniger, daß es den in Israel nicht erhörten Namen, Phädon, führt. Wohl aber habe ich Sie in Meinem Briefe, welcher ein sol« ches Mißverständniß veranlaßt, ersucht, ob es, bei Ihrem Ansehn, nicht Möglich sei, einen Vorsänger, welcher sich jetzt hier aufhalt, bei der dortigen Syna-