Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 7 (1825-1833)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Parabeln
- Date
- 1825-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 2)
- Language
- German
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74 Schmerzerfüllt und niedergebeugt zogen beide aus des Paradieses himmlischen Gärten, wo ihnen ein Cherub mit flammendem Schwerte hinfüro den Eingang wehrte; aber wenn ihnen auch der-Herr gezürnt, .so zeigte er sich doch.freundlich in seinem Zorne, und war es auch nicht der ewige Frühling und Sommer und Herbst, welche alle zugleich in Eden's Garten walteten, so lächelte doch damals die eben zur Herbstzeit mit Früchten überschüttete Erde, freundlich ihrem neuen Gebieter entgegen, und minder fühlten sie ihren Schmerz, als sie sahen, wie gnädig und barmherzig der Herr überall, auch gegen Sünder ist. Aber bald schwand die schöne Herbstzeit, und der Winter mit dem ganzen Gefolge seiner Unannehmli'chkeiten nahete mit raschen Schritten heran. Die nur an Freude gewöhnten Menschen fühlten schwer die rauhe Hand, die Hand des unfreundlichen Gastes, und fast den ganzen Winter durch konnte die sanfte , duldende Eva׳ keinen freundlichen Blick von ihrem Adam gewinnen, der in düsterem, schwermüthigen Hinbrüten die Früchte des Herbstes genoß, und stets, wenn er hinaus ins Freie ging, nur immer finsterer und niedergebeugter heimkehrte.. ■׳' Doch auch der Winter ging vorüber, der Regen war dahin» der Frühling nahte, man sah die Weilchen auf der Erde , der Turteltaube Stimme wurde auf dem Felde gehört, die Zeit der, Lieder war gekommen. Da sang und jauchzte auch der Erdensohn, da erblühete auch in seinem Herzen ein schöner Frühling. ■'־ ' Doch nicht lange währte dieses Jauchzen, diese Freude in ihm. Der nur an Anschauen und sich Ergötzen gewöhnte Mensch mußte jetzt der Natur zu Hülfe kommen.