Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 6 (1820-1824)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Etwas über die Israelitischen Schulen in Deßau, und ein Nachtrag, das Israelitische Schulwesen in Frankfurt an der Oder betreffend
- Date
- 1820-01-01
- Page
- Seite 346 (sequence 9)
- Language
- German
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346 — ״L’esprit n’a point de Sex«! -— sagt ein französischer Schriftsteller, und zwar mit vollem Rechte. Auch im weiblichen Körper wohnt eine Seele voll Herrlicher Anlagen und Kräfte, die einer großen Ausbildung fähig sind. Sie sollen nichts im ewigen Schlummer bleiben, sondern geweckt, entwickelt und wirksam gemacht, sie sollen nicht auf das Eitle und Ehörichte, sondern auf das Edle und Würdige gerichtet werden. Man verlangt vom weiblichen Geschlecht einen hohen Grad von Eugend und gesteht, daß mit Verletzung derselben ihr ganzes Wesen vernichtet werde, aber wie ist wahre Bildung des Herzens und Charakters ohne eine klare und richtige Erkenntniß des Guten möglich? Licht des Verstandes und Wärme des Herzens können nicht getrennt werden, wenn Tugend.und Sittsamkeit etwas mehr sein soll, als äußeres Blendwerk, als Erzeugniß der Laune oder Schwache der Nerven. Die köstlichsten, heiligsten Güter sind in die Hände der Frauen gelegt. Sie sollen uns ein besseres Geschlecht bilden und erziehen helfen. Wie viel kommt nicht auf die ersten Eindrücke an, welche daS weiche, biegsame Herz des Kindes erhalt? Wie entschei- Lend ist für das ganze Glück des künftigen Lebens die. erste Entfaltung, Uebnng und Richtung der geistigen und sittlichen Kraft? Fast alle Männer von großer Engend haben nicht sowohl vorzügliche Water, als vielmehr verständige, fromme und edelgesinnte Mütter gehabt. Sie haben es innig empftmden und dankbar erkannt, daß sie das meiste von dem, ,was sie geworden, ihren Müttern verdanken , und Haben sie bis in das späteste Alter geehrt und gesegnet. Ein aufgeklärten Verstand, ein ge-