Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 6 (1820-1824)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über die Israeliten in Frankreich
- Date
- 1820-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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vom Aberglauben zum Jndifferentismus, zum Unglauben und hernach zur Sittenlosigkeit übergegangen find. Ich sage-Einige, denn überhaupt sind die Israeliten weder ausschweifend noch liederlich. Ein betrunkener Jude, oder -vollends ein jüdischer Trunkenbold, ist etwas beinah Unerhörtes. Sie verheiratheN sich frühe-, ihre Ehen sind nur selten unfriedlich, und die Heiligkeit des Ehebandes wird von ihnen geachtet. Für ihre Eltern , und für das Greisenalter überhaupt, hegen sie eine große Verehrung, und sie zeichnen sich durch diesen schönen Zug, der sonst immer seltner wird, und an die patriarchalische Verfassung erinnert, vortheilhaft aus. Eben so wird man nur selten einen Israeliten betteln sehen; sie finden in dem thätigen Wohlwollen und in der Gastfreundschaft ihrer Glaubensgenossen die nöthige Hülfe. Dieß sind allerdings sittliche Vorzüge; hingegen aber schreit man über den Wucher! Wer tragt aber die Schuld davon? Zu Palästina waren sie Landbauer; durch die Zerstreuung in alle Welt wurden sie Makler, Kaufleute, Krämer ü.s.w., weil ihnen der Ankauf und die Kultur von Grundstücken, so wie die Ausübung von Künsten und Handwerken untersagt ward. Der Handel und zunächst die Krämerei blieben nun zum Behuf ihres -Broterwerbs allein übrig, und darum mußten sie sich -demselben dann auch) wohl ausschließlich -widmen. Es war dieß eine Wirkung der auf ihnen lastenden und sie unterdrückenden Gefttzgebung, so wie der gegen sie aus- : gesprochenen politischen Enterbung; sie wurden das, was unter ähnlichen Umständen jedes andere- Volk auch geworden wäre. Dazu kommt, daß unter-ihren Tadlern