Sulamith
- Journal
- Sulamith
- Volume
- 5 (1817-1820)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aus Kurhessen
- Date
- 1817-01-01
- Page
- Seite 199 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Beobachter, dem das Heil der Menschheit nicht gleichgültig ist, nicht leicht einen traurigem Anblick geben, als der ist, welcher sich ihm, auch bei der oberflächlichsten Untersuchung, in dem geistigen, vorzüglich aber religiösen Zustande der Israelitischen 'Gemeinden dieses Landes darbietet. Ein Zustand, der, wie wohl kein Vernünftiger laugnen wird, außer dem höchst schädlichen Einfluß, den er auf den Staat und das hürgerliche Le b e nurtvermeidlich haben muß, gewiß in jedem Betrachte auch für die Generation der verderblichste ist, in welchem die Gesellschaft sich je befinden kann. — Man hatte von den jüdischen Gemeinden in Hessen,, nachdem ihnen von der hohen Landesregierung׳ das Bürgerrecht gnädigst ertheilt worden, mit Recht erwarten sollen, daß sie nun auch ihrer Seits, nach dem rühmlichen Beispiele ihrer Glaubensgenossen in andern Ländern, mit Eifer und Kraft sich thätig um ihr geistiges Wohl bemühen und um die Errichtung öffentlicher Lehranstalten und Verbefferung des Gottesdienstes, mit ernsthaftem Streben besorgt sein würden; aber weit gefehlt! Da scheint vielmehr, im Allgemeinen, jeder Eifer erschlafft, jede Kraft gelahmt, und aller Sinn fürs Bessere eingeschläfert zu. sein. Verwaist, einer hirtenlosen Heerde gleich,' ist da Israel; denn nicht einmal einen Rabbiner (dieses Prädicat nämlich von einem wirklichen Vorsteher und Führer des Religionswesens, nicht aber bloß dem Namen und den Einkünften nach, -verstanden!) hat die Zudenschaft dieses Landes. Und Niemand aus ihrer Mitte scheint das Uebel zu achten, Niemand der Verwaiseten sich anzunehmen! .